Kurs 1.4

Infoflut und Wissensebbe.

Was es heißt, mit Medien umzugehen

"Non scholae, sed vitae discimus" -
"Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir".

Schon viel zu oft gehört?

Christoph Drösser verfasste im August 2001 in der Wochenzeitung DIE ZEIT einen interessanten Artikel über die Herkunft dieses Satzes. Diese Schulweisheit ist nämlich so, wie sie oftmals zitiert wird, schlichtweg falsch wiedergegeben. Der römische Philosoph Seneca (4 v. Chr.), auf den dieser Ausspruch zurückgeht, schrieb im Original: "Non vitae, sed scholae discimus" - "Man lernt nicht für das Leben, sondern für die Schule". Schon damals wurden vermittelte Lehrinhalte kritisch hinterfragt.

Ein wesentlicher Aspekt, der schulisches aber auch alltägliches Lernen, also das Generieren von neuem Wissen, effektiver machen würde, wäre sicherlich die Kenntnis über die Vorgänge des Lernens und den damit zusammenhängenden effektivsten Lernmethoden. Selten wird die Art der Wissensvermittlung oder auch das Vorgehen beim Lernen hinterfragt. Um aber in einer Gesellschaft bestehen zu können, in der sich das Wissen innerhalb weniger Jahre vervielfacht, sollte man sich mit den folgenden Fragen einmal auseinandersetzen:

Gerade im Medienzeitalter mit seinen Unmengen an Infoquellen und der Flut der darin enthaltenden Daten ist es wichtig, sich die Wirkungsmechanismen des Lernens aber auch der Meinungsbildung genauer anzusehen und für sich selbst wirksame Techniken der Wissensaneignung zu entwickeln.

Ziel des Kurses

wird es sein, Antworten auf die o.g. Fragen zu finden. Außerdem werden wir versuchen zu definieren, was Lernen bedeutet und wie sich Information von Wissen unterscheidet. Des Weiteren werden die Massenmedien unter die Lupe genommen, Grundlagen von Medienkompetenz und Medienwirkungsforschung vermittelt und praktische Hilfestellungen zur persönlichen Informationsgewinnung entwickelt.

Der Kurs gliedert sich vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen im Wesentlichen in drei Teile:

Medien und ihre Wirkungsweisen, die Informationsverarbeitung und ihre Werkzeuge sowie das persönliche Wissensmanagement. Dabei ist wichtig anzumerken, dass eine Schwerpunktsetzung zusammen mit den Teilnehmenden erfolgt.

  1. Geschichte(n) aus der Medienwelt: Von der Geschichte der Massenmedien her kommend wird der Kurs sich mit Fragestellungen der Medienwirkungsforschung auseinander setzen. Hierbei werden im Wesentlichen das Fernsehen, Radio und Zeitungen betrachtet werden. Für diese Medien wird gemeinsam herauszufinden sein, was Nachrichten eigentlich sind und wie es bestimmte Themen schaffen, in den Medien präsenter zu sein als andere. Ein weiteres Ziel wird sein, sich kritisch mit Medieninhalten auseinander zu setzen. Schließlich wurde schon eingangs gezeigt, dass selbst die bekanntesten Zitate nicht zwangsläufig stimmen.

  2. Der Wald und seine Bäume: Im Anschluss daran sind spielerisch Methoden kennen zu lernen, wie effektiv Informationen aus den sogenannten klassischen Medien Fernsehen, Radio und Zeitungen aber auch Büchern beschafft werden können.

    Das Internet hat insofern einen besonderen Stellenwert, da es interaktiv funktioniert. Die hier enthaltenen Informationen können selbstbestimmt herausgezogen werden. Als Bonbon wird es einige Tipps und Informationen geben, die den Umgang mit dem Netz der Netze erleichtern, Stichworte: Suchmaschinen, Agenten, "Wearables".

    Aber auch hier gilt, dass nicht alles Gold ist, was durch die Leitung kommt.

    Gerade im Internet gilt es, kritisch mit Informationen umzugehen, da dort nahezu jeder seine ganz private Meinung hineinstellen kann und diese nicht als solche kennzeichnen muss. Anders sieht es da z.B. bei Zeitungen aus, bei denen immer stark auf eine Trennung von Anzeigenteil und dem redaktionellen Teil geachtet wird.

  3. PeKMan: Doch gerade die technischen Möglichkeiten des Internets sind es wiederum, die zu der vielleicht wichtigsten Frage im Rahmen des Kurses führen: die Frage nach den eigenen, persönlichen Zielen, die Ziele, die man bei der Informationssuche haben muss. Was nützt die beste Medienkompetenz, wenn man nicht weiß, was einen bei der Informationssuche antreibt?

    Daher wird der Kurs durch den Aspekt des persönlichen Wissensmanagements abgerundet. Unter dem Stichwort PeKMan (Personal Knowledge Management) wird man sich anschauen, wie man die für sich wichtigen Informationen erhält und in Wissen umsetzt. Dazu muss man sich zwangsläufig auch damit auseinander setzen, in welchem sozialen Umfeld man agiert, wie man mit seinen Mitmenschen kommuniziert und wo Fehler liegen könnten. Um den theoretischen Hintergrund dafür zu schaffen werden einige Kommunikationstheorien von Watzlawick bis Schulz von Thun betrachtet.

    Erst mit diesen bewusst gemachten Zielen und Hintergründen kann persönliches Wissensmanagement effektiv eingesetzt werden. Erst dann können die vorgestellten Methoden und Techniken - sicherlich individuell verschieden - für den Einzelnen effizienter genutzt werden.

Es werden - um zusätzlich praktisches Handwerkszeug zu bieten - viele verschiedene Arbeitsmethoden verwendet, Präsentationstechniken vermittelt und geübt, indem einige Wochen vor dem Beginn der Akademie verschiedene Referatsthemen vergeben werden. Auch werden Kreativitätstechniken genutzt, viele selbst moderierte und anregende Diskussionen geführt und in Kleingruppen Themen erarbeitet.

Kursleitung

Vera Krick (Jg. 1976),
befindet sich am Ende ihres Studiums der Psychologie. Begonnen hat sie in Trier, wechselte nach dem Vordiplom an die Freie Universität nach Berlin. Im Studium hat sie sich auf Arbeits- und Organisationspsychologie spezialisiert, Betriebswirtschaftslehre als Schwerpunkt vertieft und ein Zusatzstudium in Medienpsychologie absolviert. Sie ist Verhaltens- und Kommunikationstrainerin und leitet neben dem Studium unterschiedliche Seminare in gewerkschaftlichen Bildungshäusern. Tätigkeiten in Unternehmensberatungen und Unternehmen haben ihr Universitätswissen und ihre beruflichen Ziele auf die Probe gestellt und die aktuelle Ausrichtung bestimmt. Wenn sie sich mal nicht mit der "Karriere" beschäftigt, genießt sie Berlin als "vieleinteressenvereinende" Stadt.

Martin Ciesielski (Jg. 1974),
studierte an der Berufsakademie in Berlin Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Banken. Im Anschluss daran begann er ein Magisterstudium an der Freien Universität Berlin mit der Kombination Kommunikationswissenschaften, Psychologie und erneut Wirtschaftswissenschaften. Parallel dazu absolvierte er eine Ausbildung zum Trainer für soziale Kompetenzen und einige Praktika in Marketingagenturen und Unternehmensberatungen. Für ein Jahr entzog er sich dann dem universitären Leben und half beim Aufbau des Trainingsbereichs für ServiceMitarbeiter einer Internetbank. Nun ist er wieder an der Uni, arbeitet als freiberuflicher Trainer und Berater, hört viel Musik und will wieder mit dem Zeichnen anfangen.

Zuletzt geändert: 2002-02-09 11:04:01 (db) | Kontakt
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