exPuls - Zeitung für den CdE
Herausgeber:
JGW e. V.
c/o Jenckel Law
Hegelplatz 1
10117 Berlin
V.i.S.d.P.:
Wolfram Krause
Hersfelder Straße 3
60487 Frankfurt/Main
Redaktion:
Wolfram Krause,
Maren Allmers, Thomas Diehn, Michaela Wied, Elisabeth Gamer
Satz & Layout:
Wolfram Krause, Maren Allmers
Druckvorstufe:
Wolfram Krause, Henrik Krause
Auflage: 1900
Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe:
30. November 2001
Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht notwendigerweise die Meinung des Herausgebers oder der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Haftung übernommen. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.
Fotos:
Julia Beyerle, Felix Creutzig, Klaus Brösamle, Maren Allmers, Wolfram Krause
Rückmeldungen, Adressanfragen und Finanzen
Klaas Ole Kürtz
Finanzen: Hendrik Hoeth
Artikel für den exPuls bitte an
Wolfram Krause
Deutsche SchülerAkademie
Bildung und Begabung e.V.
Godesberger Allee 90, 53175 Bonn
02 28/9 59 15-40, info@deutsche-schuelerakademie.de
CdElokal
Natascha Einhart, Julia Beyerle, Amelie Stein
Liebe CdEler,
nun ist es einmal mehr so weit. Der Sommer-exPuls 2001 ist fertig und schon bei euch im Briefkasten; gerade richtig um ihn bei herrlichem Sonnenschein im Schlagschatten eines Baumes zu lesen oder bei einem schönen großen Eis durch zu blättern.
Natürlich ist der exPuls auch bei schlechtem Wetter der optimale Begleiter. Hat man keinen besseren Regenschutz zur Hand, verrichtet er gute Dienste. Jedoch sollte man sich dies vorher gut überlegen und vielleicht bevor der Regen anfängt, beschließen zu Hause zu bleiben und seine freie Zeit an einer trockenen Stelle mit der Lektüre des exPuls zu verbringen.
Auch auf Reisen kann er euch gute Dienste leisten. Beim Lesen der einzelnen Beiträge vergeht die Zeit wie im Fluge und man muss schon aufpassen, dass man den richtigen Bahnhof nicht verpasst. Langeweile und den exPuls schon durch? Kein Problem! Man kann ja schließlich nicht jeden CdEler kennen und auf einer Bahnfahrt kann man dann den einen oder anderen treffen. Der exPuls als Erkennungsmerkmal ist durch nichts zu ersetzen ... Dazu gibt es noch unzählige Nicht-CdEler, die neugierige Fragen stellen und mit denen ein nettes Gespräch entstehen kann.
Auch zu Hause ist der exPuls immer hilfreich. Solltet ihr einmal für euren Besuch nicht sofort Zeit haben, weil ihr eben noch euer Mittagsschläfchen beenden oder noch schnell etwas anderes anziehen wollt, dann ist der exPuls ein idealer Zeitvertreib.
Seit ihr dann wirklich einmal so weit, dass ihr alle Seiten gelesen (oder wenigstens durchgeblättert) habt, dann macht er sich doch auch bei den vielen anderen Werken der Weltliteratur in eurem Bücherregal wirklich gut.
Inhaltlich warten hervorragende Artikel über die UN-Simulation in New York und über die Mauerschützen-Prozesse auf euch. Für Laien verständlich legt Alexander Fakten und Probleme dar.
Aufgrund des enormen Umfangs der diesjährigen PfingstAkademie können wir leider nur einige Kurse im exPuls präsentieren. Ich bin fasziniert von der Fülle der in Kirchheim angebotenen Kurse und erwarte freudig das nächste Treffen.
So, nun wünsche ich euch viel Vergnügen bei der Lektüre!
Wolfram Krause
die Akademie ist ein Anfang - der CdE dessen Fortsetzung. Ihr werdet Kurstreffen veranstalten, gar Akademienachtreffen organisieren, und es wird Spaß machen. Denn die SchülerAkademie, dessen besonderes Flair, bleibt unvergessen schön. Diese wunderbare Akademieatmosphäre prägt auch den Club der Ehemaligen. Hier finden sich DSAler aus nunmehr 13 Jahrgängen. Wir veranstalten jährlich ein Gesamtnachtreffen zu Pfingsten, geben halbjährlich den exPuls heraus, unterhalten Homepage, Mailing-Listen und Adresspools; CdElokal, zukünftig auch CdE-Musik und CdE-SommerAkademie sind nicht zu vergessen.
Ihr kommt zur rechten Zeit: Der CdE ist so lebendig wie noch nie. Viele neue Leute und Gesichter übernehmen Verantwortung, alles ist offen für neue Ideen; neues Engagement wird gesucht. Ihr seid gefragt! Von der Vielfalt des Clubs der Ehemaligen werdet ihr in diesem exPuls einen ersten Eindruck bekommen. Wenn euch etwas interessiert oder ihr mitmachen wollt, fragt, sagt, handelt - nur keine Hemmungen.
Der CdE ist für jeden das, was er aus ihm macht: Offen für alles, frei von hinderlichen Strukturen, geistreich, aktiv, nachdenklich, fröhlich! Wir laden euch ein, mitzumachen, euch in der Weise einzubringen, wie ihr es wollt!
In diesem Sinne herzlich willkommen,
euer Thomas Diehn.
P.S.: Bitte denkt daran euch zurückzumelden. Weitere Details findet ihr auf Seite 19.
Thomas Diehn
Noch keine Woche ist seit der PfingstAkademie 2001 vergangen und doch vermisst man sie und freut sich auf nächstes Jahr. Auch der "CdE-Massenwahn" dürfte langsam abklingen, denn ob ihr es glaubt oder nicht: Für nächstes Jahr sind vom 17. bis zum 20. Mai alle sechs Kirchheimhöfe für die sich rapide ausbreitende Spezies der CdEler reserviert!
Neues Jahr neuer Mut: Wer hat Lust als zukünftiger Kursleiter zum Gelingen der PfingstAkademie beizutragen?
Als kleiner Ansporn für die, die es letztes Jahr versucht haben und es hieß "Wir haben leider schon genug": Ihr werdet nächstes Jahr bei der Kurswahl bevorzugt. Aber auch den anderen Mut: So viele Teilnehmer und damit auch benötigte Kursleiter gab es noch nie.
Rahmenbedingungen gibt es nicht viele: Bei Thema und Gestaltung der Kurse sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Alles ist willkommen, was sich in Kirchheim in voraussichtlich 3x3 Stunden Kursarbeit mit jeweils 10-15 Teilnehmern sinnvoll erarbeiten lässt. Für notwendige Gerätschaften sollte jedoch jeder Kursleiter nach Möglichkeit selbst sorgen.
Selbstverständlich gilt, wie schon letztes Jahr: Alle potentiellen Kursleiter kommen nach Kirchheim, auch, wenn ihr Kurs nicht zustande kommt.
Also, denkt nicht länger drüber nach, ich warte auf spannende Ideen! Bitte schickt mir eure Kursbeschreibungen möglichst bald, spätestens aber bis zum 08.11.2001. Natürlich beantworte ich Euch auch gerne alle damit zusammenhängenden Fragen.
Francisca v. Saint Paul
Endlich ist es soweit: 2002 wird es zwei große CdE-Treffen geben! Neben dem traditionellen Gesamttreffen an Pfingsten wird vom 03. bis zum 11. August die erste CdE-SommerAkademie stattfinden. Eine Woche lang soll in Kirchheim für ca. 120 CdEler viel Zeit sein für Kurs- und Projektarbeit, Chor- und Kammermusik, sportliche Aktivitäten und eine Exkursion.
Natürlich kann das Ganze nur dann ein voller Erfolg werden, wenn sich genügend Engagierte finden, die einen Kurs anbieten, Abendveranstaltungen mitorganisieren oder musikalisch etwas auf die Beine stellen wollen. In welcher Form ist ganz euch überlassen! Die Kurse mit je 8-15 Teilnehmern sollen insgesamt ca. 35 Zeitstunden umfassen, in einer Rotationseinheit präsentiert und sowohl in einer eigenen Dokumentation als auch im exPuls dokumentiert werden.
Sicher habt ihr Ideen, wie ihr als Kursleiter die erste CdE-SommerAkademie mitgestalten und zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen könnt! Dann schickt doch einfach eine kurze und möglichst vielsagende Kursbeschreibung bis spätestens 31.10.2001 an das Orga-Team. Die Ansprechpartner für Kursarbeit sind Andreas Kehrbach und Eva Havas.
Andreas Kehrbach, Eva Havas, Kord Eickmeyer, Constanze Korte, Ben Liese, Martin Lorenz Manns, Johannes Klauser, Julia Rohlfs
Dieses Jahr in Kirchheim wurde an mehreren Stellen deutlich, dass manchmal flexiblere Abstimmungsverfahren im CdE vielleicht von Vorteil wären. Somit kamen wir dort zu dem Entschluss, ein solches System mit in die Online-Adressen-Datenbank einzubauen, um zu testen, ob so etwas funktioniert.
Die Vorteile eines solchen Verfahrens tauchten teilweise schon im Vorfeld von Kirchheim im Zuge der Debatte in den Mailinglisten um die womögliche Werbung zur Finanzierung der Doku auf und wurden dann noch einmal in Kirchheim diskutiert. Das Hauptargument war dabei, dass es eine größere Flexibilität erlaubt, und somit Abstimmungen nahezu jederzeit, unabhängig vom jährlich stattfindenden Gesamttreffen möglich sind. Die angesprochene Zahl der potentiellen Wahlteilnehmer ist zudem höher, es besitzen mehr als doppelt so viele CdE-Mitglieder eine E-Mail-Adresse als dieses Jahr in Kirchheim beim bisher größten Gesamttreffen waren.
Da es nächstes Jahr neben dem Pfingsttreffen auch noch eine Sommerakademie geben wird und die Teilnehmerzahl in Kirchheim nicht noch weiter stark erhöht werden kann, besteht die Möglichkeit, per E-Mail und Internetabstimmung mehr CdE-Mitglieder zu erreichen. Außerdem hat sich dieses Jahr gezeigt, dass bei der nun erreichten Größe des Pfingsttreffens Diskussionen nicht mehr so leicht und meistens nicht in der gewünschten Länge zu führen sind, somit bietet die Diskussion über Mailinglisten den Vorteil, dass eine längere und genauere Abwägung der Argumente möglich ist.
Die genauen Einzelheiten des Wahlverfahrens werden erst nach einem oder mehreren Testläufen festgelegt werden, wenn man sieht, wie sich das Ganze bewährt. Der Ablauf einer Internetabstimmung wird aber in etwa wie nachfolgend beschrieben aussehen. Das Verfahren orientiert sich am Wahlverfahren zur Einrichtung neuer Usenet-Newsgroups, das in seinen Grundzügen schon seit einigen Jahren eingesetzt wird. Ausführlicher wird das Ganze dann auf unseren Webseiten beschrieben werden.
Um eine Abstimmung zu starten, wird vom Initiator der Abstimmung ein entsprechend gekennzeichneter Diskussionsaufruf (beim Newsgroup-Einrichtungsverfahren als RfD, Request for Discussion, bekannt) an die CdE-Aktiv-Mailingliste (cde-aktiv@lists.mayers.de) geschickt, bei einem wichtigen Thema kann dies zugleich auch an alle CdE-Mitglieder mit E-Mail-Adresse erfolgen. Dieser Diskussionsaufruf sollte klar darlegen, über was abgestimmt werden soll, und kann auch schon evtl. Pro- und Contra-Argumente sammeln. Anschließend wird über diesen Wahlvorschlag in der CdE-Aktiv-Liste diskutiert, d.h. es werden sowohl die Einzelheiten der Formulierung des Wahlvorschlages abgeklärt als auch (wünschenswerter Weise hauptsächlich) die Argumente für oder gegen diesen Vorschlag erörtert. Unter Umständen sind weitere Diskussionsaufrufe im Abstand von ca. ein bis zwei Wochen zu verfassen, bis man zur Formulierung des Wahlvorschlages einen allgemein akzeptierten Stand erhält.
Danach wird ein Wahlaufruf (im Usenet CfV, Call for Votes, genannt) verfasst, dessen Formulierung möglichst dem letzten Diskussionsaufruf entsprechen sollte. Der Wahlaufruf wird an alle CdE-Mitglieder per E-Mail verschickt, danach werden etwa 14 Tage Zeit sein, um sich über entsprechende Formulare in der Online-Adressen-Datenbank an der Wahl zu beteiligen. Nach Ablauf der Wahl wird das Ergebnis in der CdE-Aktiv-Mailingliste bekannt gegeben, in Zweifelsfällen kann man auch zur Kontrolle die einzelnen Wählerstimmen zugänglich machen (die Wahl wird also nicht vollständig anonym sein).
Diese Vorgehensweise ist natürlich nur als Richtlinie zu sehen, sie kann im Einzelfall natürlich an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden: Wenn z.B. eine sehr schnelle Entscheidung erforderlich ist, bei der Formulierung der Abstimmung aber keine Widerstände zu erwarten sind, kann man gleich mit dem Wahlaufruf starten. Allerdings hat es sich bei anderen Gegebenheiten gezeigt, dass ein solcher grober Rahmen, an dem man sich normalerweise richtet, zur Vermeidung von Streitfällen sehr nützlich sein kann.
Das Internet-Abstimmungsprojekt soll noch diesen Sommer mit einigen kleinen Tests beginnen, um dann bei Bedarf bereitzustehen, falls sich, z.B. im Bezug auf das nächste Gesamttreffen, Fragen ergeben sollten, die die Organisatoren lieber mit Rückhalt der Mitglieder und nicht allein entscheiden wollen.
Stefan Röhrich
Liebe CdEler,
Kirchheim ist vorbei, seit zwei Wochen haben wir kaum noch etwas zu tun, abgesehen von Johannes, der noch heftigst die Finanzen jonglierte. Julias neue Wohnung muss aber noch eingeweiht werden. Deswegen sitzen wir jetzt beim Grillen in Freiburg und genießen die Junisonne.
In Kirchheim hat es etwas viel geregnet. Doch tagsüber fanden die 26 Kurse in ihren Räumen statt und nach unseren Eindrücken war der Inhalt so interessant und die Atmosphäre derart angeregt, dass auch das schlechte Wetter vergessen werden konnte.
Im Buddhismuskurs lenkten die beiden Kursleiter durch Denkanstöße das sehr entspannte Gespräch in immer wieder neue Richtungen. Nebenan erfuhren wir, wie man die allgemeine Gastheorie auf die Dichte der Fahrzeuge auf Autobahnen anwenden kann
Im Kurs über mathematische Spiele konnte man nie richtig zwischen ernsthafter Arbeit und vergnügtem Spiel unterscheiden. Immer bekamen wir nur Aspekte des Kursgeschehens mit und immer wollten wir doch gerne selbst richtig teilnehmen. Freuen wir uns also aufs nächste Jahr.
Sonntag Nachmittag fand ein CdE-aktiv-Plenum statt. Über 100 CdEler diskutierten hauptsächlich über mögliche zukünftige Onlineabstimmungen und über das Sponsoring der CdE-Treffen. Julia B. als Moderatorin stand vor dem fast unlösbaren Problem, jedem Thema ausreichend Zeit einzuräumen. Hier versuchen wir die Ergebnisse der Diskussion wiederzugeben:
Das CdE-Aktiv-Plenum zeigte, dass selbst in einer so großen Runde sachlich und konzentriert diskutiert werden kann und dass die Ideen und die Arbeit der vielen Engagierten breite Zustimmung finden.
Melancholisch blicken wir auf die hinter dem Kirchturm untergehende Sonne. Ein Kapitel geht für uns zu Ende. Wir beneiden das nächste Orgateam um den Spaß, den sie jetzt schon haben.
Euer Orgateam
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Felix Ceutzig, Julia Beyerle, Johannes Klauser, Julia Rohlfs, Amelie Stein
Den meisten CdElern wird JGW e.V. ein Begriff sein - diese drei Buchstaben stehen für den Verein "Jugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft e.V.", der vor ca. zwei Jahren von CdElern gegründet wurde, unter anderem, um bei der öffentlichen Hand und bei privaten Firmen um finanzielle Unterstützung für CdE-Projekte wie die Gesamttreffen zu werben.
Seit gut zwei Jahren kann der CdE sich nun auf diese Unterstützung verlassen - die Frage aber, wie das Verhältnis von CdE und JGW e.V. aussehen soll, wird auf der PfingstAkademie in Kirchheim jedes Jahr aufs Neue diskutiert.
Für alle, die von dieser Diskussion noch nicht viel mitbekommen haben und alle, die die Ergebnisse aus Kirchheim noch einmal nachlesen wollen, sei hier eine zusammenfassende Darstellung der Diskussion gegeben:
Zwei Punkte wurden an der Zusammenarbeit zwischen CdE und JGW e.V. hauptsächlich kritisiert: Erstens die Tatsache, dass Mitglieder des JGW e.V. wichtige Aufgaben im CdE wahrnehmen und damit die Möglichkeit besteht, dass sie in Konfliktsituationen eher im Interesse des JGW e.V. als des CdE handeln, und zweitens die Form der Unterstützung durch private Firmen, die nicht unbedingt im Sinne des CdE und des JGW e.V. ist und außerdem unter Umständen die Gefahr von Abhängigkeiten in sich birgt.
Was den ersten Punkt betrifft, lassen sich die Bedenken schnell ausräumen: In Zukunft sollen solche "Personalunionen" vermieden werden.
Heftiger waren in Kirchheim die Diskussionen um die finanzielle Unterstützung von CdE-Projekten durch JGW e.V.
Im Voraus: JGW e.V. finanziert die Sommerausgabe des exPuls zur Hälfte und ermöglicht dadurch, dass alle neuen Teilnehmer der Schülerakademien eine Ausgabe umsonst bekommen. Außerdem hat JGW e.V. in den letzten Jahren die PfingstAkademien unterstützt, wodurch den Kursleitern Teilnehmerbeiträge und Materialkosten zurückgezahlt werden konnten. Dies wäre sonst nur mit einer merklichen Erhöhung der Mitglieder- bzw. Teilnehmerbeiträge möglich gewesen!
Für eine finanzielle Unterstützung des CdE durch JGW e.V. hat sich in Kirchheim deshalb die große Mehrheit der Teilnehmer ausgesprochen. Strittig ist nun allein die Form der "Gegenleistung", die die CdEler den Sponsoren zu leisten bereit sind.
Als Sponsor trat in den letzten beiden Jahren bei der PfingstAkademie das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen auf. Die Vereinbarung sah eine Spende von mehreren tausend DM an JGW e.V. vor und zusätzlich einen Vortrag eines Mitarbeiters des Unternehmens während der PfingstAkademie.
Leider nahm dieser Vortrag in Kirchheim 2001 eher die Form einer Recruiting-Veranstaltung an und die Finanzierung der Dokumentation der Pfingstakademie wollte Arthur Andersen nur übernehmen, wenn auf ihrer Rückseite eine Werbeanzeige des Unternehmens platziert würde.
JGW e.V. hatte sich aber ausdrücklich für eine inhaltliche Zusammenarbeit mit Sponsoren ausgesprochen, und so wurde das Angebot von Arthur Andersen abgelehnt.
Die Diskussion in Kirchheim zeigte allerdings, dass viele CdEler bereit sind, sich im Notfall mit Werbeanzeigen abzufinden, JGW e.V. aber nach Möglichkeit Sponsoren suchen wird, die in Bezug auf Form und inhaltliche Gestaltung des Vortrags oder einer anderen ideellen Förderung eher auf die Wünsche und Vorstellungen der PfingstAkademieteilnehmer einzugehen bereit sind.
Abschließend lässt sich feststellen, dass der CdE von der Zusammenarbeit mit JGW e.V. sehr profitieren kann.
Sie ermöglicht, dass auch aufwendigere CdE-Projekte wie die Pfingst- und im nächsten Jahr erstmalig die SommerAkademie verwirklicht werden können, die von JGW e.V. nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch inhaltlich bereichert werden.
Eine klare Definition des Verhältnisses und der Zusammenarbeit zwischen JGW e.V. und CdE scheint aber für die Mehrheit der CdEler wünschenswert zu sein. Eine sachliche Diskussion über dieses Thema wird also auch in den kommenden Jahren notwendig und erwünscht sein.
Julia Rohlfs
Kursleiter: Maria Möllemann
Hallo!? Freud? - Neulich beim Psychiater ...
Stimme ausm Off: So, jetzt liegen wa aufer Kautsch und entspannen uns erstma, nehm Se sich n Keks und denn schließen wa die Augen.
Stimme vonner Kautsch: Oar, das tut gut ...
Stimme ausm Off: Nu erzehln Se ma. Sie wissen ja wie et hier läuft.
Stimme vonner Kautsch (aufgewühlt): Oh, gestern Nacht, das können Sie sich nicht vorstellen - die ganzen Leute, da am Feuer, dabei hatte es doch dauernd geregnet, ich wußte gar nicht, mir war so kalt und dann haben sie mich alle angeschaut mit ihren geweiteten Pupillen ...
Stimme ausm Off (nachdenklich): Jaja, det war wohl der Sympathikus. Aber nu atmen Se ma erst tief durch und denn schön der Reihe nach: Wie fing et an?
Stimme vonner Kautsch: Ich war so spät dran, bin gerannt und gerannt und dachte schon, ich würde es nicht schaffen. Aber auf die Bahn ist Verlass, die war auch noch nicht da ...
Stimme ausm Off (voller Interesse): Hatten Se denn det Gefühl, nich voran zu kommen beim Laufen?
Stimme vonner Kautsch: Ja, schon ... Dann waren da diese Häuser im Wald, alle gleich, eins sah aus wie das andere, und überall waren fremde Leute. Allerdings kamen mir einige so merkwürdig bekannt vor. Darum wich auch meine anfängliche Angst. Plötzlich haben wir uns wie auf ein geheimes Signal hin in kleinen Gruppen organisiert. In meiner sprachen wir übers Fliegen und Labyrinthe, Verfolgung und Geburt, ich weiß noch, dass ich fasziniert zugehört habe. Und dann, das war erst toll: Schneewittchen, Rotkäppchen, der Froschkönig, die sieben Zwerge und eben die böse Schwiegermutter.
Stimme ausm Off (begeistert): Soso, det is ja geradewechs klassisch! Aber erstma weiter ...
Stimme vonner Kautsch: Ja, dann wieder Chaos, unüberschaubare Menschenmassen und plötzliche Ordnung. Ich war eigentlich ständig unterwegs, irgendwie auf der Suche, aber ich weiß gar nicht wonach. Immer wieder habe ich Menschen getroffen und mich unterhalten. Diese Leute haben die verrücktesten Sachen erzählt und gemacht, über Mathe und Informatik unverständliches Zeug gebrabbelt, Feuer gespuckt ...
Dabei hat es ständig geregnet und es war so kalt. Plötzlich ein Porsche. Boa, das war ein tolles Teil, hochpolierter schwarzer Lack. Sie verstehen schon ... Dann habe ich mich auf einmal am Feuer wiedergefunden. Da war es warm. Um mich herum Lachen, Gesang ... Ich habe mich völlig erschöpft gefühlt, aber glücklich! Dann fehlt mir ein Stück. Ich kann mich nicht erinnern. Plötzlich saß ich in einem Bus und alles war still ...
Stimme ausm Off: So, ahaha. Wollen wa ma sehen. Wohlgefühlt ham Se sich also? Zu Anfang erwehnten Se den Bahnhof, und det Se nich voran gekommen sind. Det is n starket Warnsignal. Halten Se im Leben ma inne und überlegen Se sich, wat Ihn wirklich wichtich ist. War et nich vielleicht n bischn viel in letzter Zeit?
Hamse öfter det Gefühl, zu spet zu kommen? Ich denk, n Neuanfang ist möglich, Sie ham den Zug ja noch gekricht, det is auch immer Symbol des Aufbruchs ...
Feuer ... Feuer der Leidenschaft ... Sehnen Se sich vielleicht nach einer Liebesbeziehung? Regen steht hier eindeutig für Wasser im Allgemeinen. Sie haben so einige weibliche Seiten an sich und sind wohl ein lebenslustiger Mensch!? Hab ich recht? Sie hatten doch viel Spaß in der Zeit.
Det Chaos und det Labyrinth sind immer verschwunden, und allet wurde auf wundersame Weise geordnet, det ist sehr wichtich. Finden Se Zugang zu sich selbst, denn werden Se sehen, det sich auch verworrene Gedanken und diffuse Ängste inn Griff kriegen lassen. Allerdings, diese Begegnung mit den Märchengestalten ... Haben Se da vielleicht in Ihrer Kindheit irgendwelche ungeklärten ... Sie wissen schon ...
Stimme vonner Kautsch: Meine Kindheit war recht harmonisch ...
Stimme ausm Off: Nuja, denken Se ma drüber nach. Heute kommt man ja sowieso davon ab, Kindern Märchen zu erzehlen, zumindest von tiefensychologischer Seite. Einige sind ja geradezu traumatisierend, und wenn Se da schon mit Stiefmutter Schwiegermutter assoziieren ... Anscheinend suchen Se aber den Nervenkitzel, der Porsche ... Ich weiß nich ...
Die Freiheit beim Fliegen hat et Ihn auch angetan, liech ich da richtich? Det passt gut ins Bild. Ich denk, Sie werden ma wirklich zu sich selbst finden müssen. Immer wieder diese Elemente der Suche, det is n bedenklichet Zeichen. So ein Wald ist ja nich nur Abenteuer, sondern auch Ort der Selbstfindung, also wie im echten Leben, wenn Se verstehen, was ich meine. Natürlich kann ich jetzt noch ne freudianische Deutung det Traumes ...
Stimme vonner Kautsch (empört): Traum? Das war kein Traum!
Stimme ausm Off (entsetzt): Det war keen Traum? Det wird doch nich ... sagen Se ma ... det kann doch dann nur det CdE-Syndrom sein! Da könn Se nischt machn, da hilft nischt. Diese Fälle kenn ich! Da lass ich meine Finger von!
Anne Unglaube, Susanne Pilhofer, Maren Allmers
Kursleiter: Matthias Berg
Othello: Neben Hamlet, King Lear und Macbeth ist das eine von Shakespeares vier großen Tragödien. Es geht um Liebe und Hass, Freundschaft und Verrat, jedenfalls erwarte ich nichts anderes von Shakespeare, und das Stück kenne ich selbst leider auch nach dem Othello-Kurs nicht. Denn Othello ist nicht nur eine Tragödie, sondern auch ein Spiel. Genauer gesagt: ein Brettspiel. Für zwei Spieler. Ohne Würfeln und Karten ziehen. Wer Glücksspiele mag, sollte lieber in Las Vegas oder Kurs 18 danach suchen. Mann gegen Mann (oder Frau). Und gegen die Zeit. Nur auf 64 Feldern mit schwarz-weißen Steinen, die gelegt und umgedreht werden. Nur wenige, simple Regeln: Wessen Farbe am Ende am häufigsten vertreten ist, hat gewonnen. Nur die richtige Strategie zählt. Also doch eine Tragödie? Oder irgendwie langweilig? Das dachte ich jedenfalls zunächst. Ich bin ein begeisterter Spieler, aber eigentlich mag ich diese 2-Spieler-Strategie-ohne-Glück-Spiele nicht. Da muss man nämlich nachdenken. Man verliert so oft und kann es dann nicht auf Pech, Schicksal, Würfel, Schiedsrichter oder Platzverhältnisse schieben. Mir sind die großen Gesellschaftsspiele wie "Siedler von Catan" lieber. Also ein doofes Spiel?
Wir acht Kursteilnehmer kamen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in diesen Kurs. Niemand wollte Theater spielen (da war die Kursbeschreibung doch hinreichend aussagekräftig), aber die Vorkenntnisse reichten von "nicht vorhanden" bis "hab' schon einen Computerspieler programmiert". Ich selbst hatte Othello unter dem Namen Reversi während der Kindergartenzeit in meiner Spielesammlung gefunden und damals gegen meine Schwestern sowie später noch unter Windows 3.0 gegen meinen 386SX gespielt (in Windows 3.1 wurde Reversi durch Minesweeper ersetzt; ein schlechter Tausch). Die dabei entwickelten Strategien erwiesen sich allerdings gegen etwas stärkere Spieler schnell als untauglich. So ist es z.B. sinnlos, gleich am Anfang möglichst viele Steine an sich zu reißen meine kleine Schwester hätte das Brett also nicht umschmeißen sollen, wenn sie mal wieder scheinbar hoffnungslos wenige Steine hatte.
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Unter der kompetenten Leitung unseres Kursleiters Matthias Berg lernten wir innerhalb von 3x3 Stunden das "kleine 1x1" dieses Spiels auf dem 8x8-Brett. Wir trugen nach einigen Testspielen zusammen, welche Strategien uns sinnvoll erschienen, stellten fest, dass wir uns dabei widersprachen, fanden anhand ausgewählter Beispiele heraus, welche Faustregeln Erfolg versprechen (ich hab' ja den Verdacht, dass die Situationen teilweise ein bisschen konstruiert waren ...), und ließen uns vorführen, dass die gerade mühsam verdauten Strategien natürlich niemals uneingeschränkte Gültigkeit haben. Die schachspielenden Kursteilnehmer fühlten sich dann zuhause, als uns die Aufteilung des Dramas in drei Akte erklärt wurde: Eröffnung (davon gibt's ca. 500, die nach den entstehenden Figuren, z.B. "Lollipop" oder "Sailboat", oder ihrem Erfinder, z.B. "Inoue", "Rose" und "Shaman" benannt sind), "Midgame" (da zeigt sich der wahre Meister) und Endspiel (in dem man durch Nachzählen "einfach" den besten Zug bestimmen kann). Mit allen weitergehenden Vergleichen zu Schach war unser Kursleiter aber anscheinend nicht so glücklich. Auch Spezialitäten wie das "Landau maneuver" oder "Stoner traps" wurden erklärt. Nur wenig Zeit wurde auf die Vorführung von Computeranalyse mit Hilfe von Programmen verwendet, die problemlos auch den Weltmeister schlagen, damit umso mehr Zeit für die gemeinsame Suche nach dem besten Zug in verzwickten Situationen blieb.
Während der Rotation versuchten wir dann, das gerade erlernte Wissen innerhalb von 15 Minuten an unsere erstaunlich zahlreichen und interessierten Zuhörer in geballter Form weiterzugeben. Dass wir damit zumindest ein bisschen Erfolg hatten, konnte man daran erkennen, dass bis spät in die Nacht hinein nicht nur die meisten Kursteilnehmer, sondern auch einige andere CdEler an den Brettern, die die Welt bedeuten, zu sehen waren. Kommentare von unwissenden Zuschauern wie "Da sieht's aber schlecht für Weiß aus!" wurden von Matthias und nach einiger Zeit auch von uns in der Regel mit einem müden Lächeln und einem Sieg eben dieser Farbe beantwortet.
Wer bis hierhin gelesen hat, will sicherlich mehr über die Faszination dieses Spiels erfahren wollen: Erste Anlaufstelle ist dafür Matthias' Othello-Site (http://homepages.compuserve.de/ othelloclub/willkommen.html), auf der sich demnächst auch unsere Kursdokumentation in Form eines deutschsprachigen Strategieführers finden wird. Man sieht sich bei einem Online-Spiel (z.B. http://www.vog.ru oder http://www.zone.com/reversi)! Die Verwirklichung des Othello-Mottos "A Minute to Learn, A Lifetime to Master" hat gerade erst begonnen.
Ulrich Derenthal, Matthias Scholz
Kursleiter: Ben Liese
Was sind Mathematische Spiele? - Diese Frage haben wir uns auch gestellt, als wir die Kursbeschreibung gelesen haben. Doch es gibt eine ganz einfache Erklärung: Ein mathematisches Spiel zeichnet sich dadurch aus, dass zwei Personen mitspielen und derjenige, der nicht mehr ziehen kann, verliert. Wir haben in unserem Kurs versucht, unterschiedliche Spielsituationen zu bewerten und Gewinnstrategien für einige Spiele zu entwickeln. Unter anderem haben wir uns mit den Spielen "rot-blaues Hackenbush" und "Nim" beschäftigt.
Rot-blaues Hackenbush
In diesem Spiel gibt es rote und blaue Kanten (hier blau = durchgezogen, rot = gestrichelt), die auf irgendeine Art und Weise mit einem Boden verbunden sind. Der linke Spieler darf in jedem Spielzug eine blaue Kante wegnehmen, der rechte Spieler immer eine rote. Wenn eine Kante überhaupt keine Verbindung mehr mit dem Boden hat, fällt sie weg. Verlierer ist wieder, wer nicht mehr ziehen, also keine Kante seiner Farbe mehr wegnehmen kann. Dieses Spiel wird "nicht neutral" genannt, da die beiden Spieler unterschiedliche Optionen haben.
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Mit Hackenbush haben wir angefangen. Wir wollten wissen, ob man einer Figur ansehen kann, wer gewinnt oder wer im Vorteil ist. Dabei haben wir Vorteile für Blau mit positiven und Vorteile für Rot mit negativen Zahlen bezeichnet. Außerdem gilt: Wenn der, der anfängt, auf jeden Fall verliert, nennt man die Situation ein "Nullspiel". Das einfachste Beispiel dazu ist: Es sind keine Kanten mehr übrig. Der, der nun dran ist, hat verloren, weil er nicht mehr ziehen kann.
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1. Bei dieser Spielsituation ist es wohl eindeutig, daß blau einen Zug Vorteil hat, denn er kann noch eine Kante wegnehmen, rot nicht. Das Spiel hat also den Wert 1. Entsprechend hat eine rote Kante den Wert -1.
2. Dies ist ein Nullspiel, denn der, der anfängt, verliert.
3. Diese Situation ist schon schwieriger. Blau hat wohl einen Vorteil, doch nicht von dem Wert 1. Man kann vermuten, daß blau einen Vorteil von 1/2 hat. Um dies zu überprüfen, kann man einfach zwei dieser Spielsituationen nebeneinander zeichnen und eine rote Kante daneben. Das ergibt dann 1/2 + 1/2 + (-1) = 0. Und ob es wirklich ein Nullspiel ist, kann man ausprobieren. Viel Spaß dabei!
Auf ähnliche Weise kann man alle möglichen Spielsituationen bewerten. Wir haben auch noch verschiedene Regeln aufgestellt, die ich hier aber nicht wiedergeben möchte. Das einzige Problem bei der Sache ist, daß man, wenn man dieses Verfahren beherrscht, immer schon weiß, wer gewinnt (vorausgesetzt beide machen immer die besten Züge). Dann macht das Spielen gar keinen Spaß mehr. Aber es gibt ja zum Glück noch andere Spiele!
Nim
Bei diesem Spiel gibt es mehrere Häufchen mit unterschiedlichen Anzahlen von Streichhölzern. Ein Zug besteht darin, ein bestimmtes Häufchen auszuwählen und von diesem beliebig viele Hölzer wegzunehmen. Es muß allerdings immer mindestens ein Streichholz genommen werden. Dieses Spiel heißt neutral, da jeder der Spieler dieselben Optionen hat.
Auch hier gilt: Wenn verliert, wer anfängt, ist es ein Nullspiel. Davon ausgehend kann man die verschiedenen Situationen bewerten:
Es gibt nur einen Stapel mit einem Streichholz. Wer dieses Hölzchen nimmt, hat gewonnen, denn der andere kann nicht mehr ziehen. Diese Situation wird *1 (sprich: "Nim 1") genannt. Entsprechend heißt ein Haufen mit zwei Hölzern *2, einer mit 3 Hölzern *3 usw. Denn immer wenn nur ein Haufen da ist, kann "zu Null" gezogen werden, daß heißt, man kann alle Hölzer wegnehmen und hat gewonnen. *1 zeichnet sich dadurch aus, daß man nur "zu Null" ziehen kann, von *2 kann man zu *1 und zu 0 ziehen, von *3 kann man zu *2, *1 und zu 0 ziehen usw. Ausgehend von diesen Einzelhaufen haben wir verschiedene Situationen mit zwei und drei Haufen bewertet und ein Verfahren entwickelt, wie man Nimzahlen "addieren" kann. Ein Beispiel möchte ich geben: *2 + *2 = 0 Bei zwei Zweierstapeln gibt es nicht so viele Möglichkeiten: Entweder der erste Spieler nimmt zwei Hölzer von einem Stapel. Dann ist nur noch ein Stapel übrig, den der zweite nehmen kann, und der erste hat verloren. Oder der erste nimmt ein Holz von einem Stapel. Dann nimmt der andere ein Holz vom anderen Stapel, der erste muß wieder eines nehmen und der zweite nimmt das letzte. So hat der erste wieder verloren. Entsprechend gilt immer *n + *n = 0, denn der zweite Spieler kann den ersten Spieler immer nachahmen und so das letzte Hölzchen nehmen. Generell ist die Gewinnstrategie immer, zu einem Nullspiel zu ziehen. Wenn man mit den Nimzahlen rechnen kann, ist dies ganz einfach.
Außer diesen beiden Spielen haben uns vor allem noch die Spiele "Kröten und Frösche", "Der Silber-Dollar", "Der Engel und der Quadrate-Vertilger" und "Käsekästchen" beschäftigt. Dabei waren die nicht neutralen Spiele in der Bewertung sehr ähnlich wie "rot-blaues Hackenbush". Bei den anderen Spielen war es interessant herauszufinden, ob es eine Analogie zu "Nim" gibt und wie sich diese herstellen läßt. Erstaunlicherweise weisen sehr viele der Spiele Analogien zu "Nim" auf, die aber nicht immer ganz leicht zu entdecken sind. Wenn man sie aber entdeckt hat, kann man diese Spiele immer gewinnen, was sie mit der Zeit auch langweilig werden läßt. Nur für Käsekästchen haben wir keine komplette Gewinnstrategie entwickelt, weswegen ich dieses Spiel jetzt auch noch am liebsten spiele. Doch auch die anderen Spiele haben wir während der Kurszeit mit großer Freude ausprobiert, um die manchmal etwas komplizierte Theorie aufzulockern. Wer mehr über die Spiele oder die Strategien wissen will, sollte in dem Buch "GEWINNEN - Strategien für mathematische Spiele", von Berlekamp, Conway, und Guy nachlesen. Es ist im Vieweg Verlag erschienen und wahrscheinlich in den meisten Unibibliotheken enthalten.
Julia Goedecke
Kursleiter: Katharina Spalek
Ich kann nur über die Dinge kennen, die ich spreche. Sorry, ich meine natürlich: Ich kann nur über die Dinge sprechen, die ich kenne. Und auch das nicht immer (siehe oben!). Woran liegt es eigentlich, dass ich mich durchschnittlich alle tausend Wörter einmal verspreche? Und woran liegt es, dass ich mich während der restlichen neunhundertneunundneunzig Worte nicht verspreche?
Nun, Kathi hatte versprochen, uns das zu erklären. Als erfahrene Psychologin hielt sich Kathi aber mit langen Vorträgen zurück und animierte uns statt dessen zum selber Grübeln, Spekulieren und Diskutieren (und später sogar zum Zeichnen und Basteln ...)
Den Anfang machten Beispiele aus der klinischen Praxis. Wie funktioniert Sprachproduktion, wenn gewisse Teile des Gehirns geschädigt sind? Welche Fehler machen Aphasiker, welche Fehler machen sie nicht? Kann der Inhalt vollständig erhalten bleiben, wenn die Grammatik verloren geht? Anhand von Studien, die Kathi uns vorstellte, begannen wir, einige Prinzipien und Mechanismen zu verstehen:
Und:
Im nächsten Teil befassten wir uns mit Sprachproduktionsfehlern bei gesunden Patienten. Dazu präsentierte uns Kathi eine Sammlung von Versprechern. Wir staunten nicht schlecht: Da gab es bäumende Stirbchen, einen Kopftopf, Wecks und Schechsel, Leute, die Flamingo tanzten und solche, die Pilze fingen, während es auf der Autobahn in beide Fahrtrichtungen schneite.
Unsere Aufgabe war es zunächst, die Versprecher in Gruppen zu ordnen: Da gibt es die Verwechslungen, die Vertauschungen, die competing plans, die Angleichungen und einige Monster, die sich nicht richtig einordnen lassen (auch nicht nach langer Diskussion).
Davon ausgehend begannen wir, langsam Theorien über die Sprachproduktion zu formulieren. Etwa:
Oder:
Oder:
Nebenbei machten wir eine bedeutende Entdeckung: Die Häufigkeit von Versprechern nimmt signifikant zu, wenn man über Versprecher diskutiert (und dies trägt signifikant zur allgemeinen Erheiterung bei).
Da nun aber alle Theorie (theure Freunde) grau ist, war es jetzt an der Zeit, sich an die Praxis zu wagen und kleine Experimente zu planen und durchzuführen. Zwei Fragen interessierten uns dabei besonders:
1. Neigt man dazu, Belebtes eher vor Unbelebtem zu nennen, auch wenn man dabei auf weniger populäre grammatikalische Formen, wie zum Beispiel das Passiv, zurückgreifen muss (Sagt man etwa: "Der Skifahrer wird von der Lawine überrollt" statt "Die Lawine überrollt den Skifahrer")?
2. Gibt es einen "Trägheitseffekt" - also: Bedient man sich gerne der Satzform, die man eben präsentiert bekommen hat?
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Die Planung der Experimente erwies sich als nicht ganz so einfach. Wie bringt man die Versuchspersonen überhaupt dazu, Sprache zu produzieren? - Naja, wir könnten ihnen kleine Szenen vorspielen, und sie müssen dann sagen, was sie sehen. - Ach, und wer spielt die Lawine? - ...
Also doch besser hübsche Bilder malen. Dies war die große Stunde der Kreativen im Kurs, die selbst so schwierige Sachverhalte wie "Ein Mann bekommt eine Torte ins Gesicht", "Jemand öffnet eine Türe und ein Kübel Wasser fällt ihm auf den Kopf" oder "Ein Hamster küsst einen Apfel" gekonnt bildlich darzustellen vermochten.
Nun war es an der Zeit, los zu ziehen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anderer Kurse für unsere Experimente zu gewinnen. Glücklicherweise fanden sich viele kooperative Freiwillige (ein Psychotest? Jajaja!) und der Versuchsreihe stand nichts im Weg. Kleinere Probleme gab es lediglich, wenn die Testpersonen (a) die Bilder falsch deuteten ("Ein ... Hund ... küsst einen Apfel") oder (b) versuchten, besonders kreativ zu sein ("Ein Kind versucht, einen Erwachsenen mit den Beinen zu erwürgen" statt "Der Vater trägt das Kind auf seinen Schultern") oder (c) beides ("Der Storch bringt die Kinder" statt "Ein Flamingo frisst einen Fisch")
Nichts desto trotz entsprachen die Ergebnisse (Was sagt das denn nun über meine Persönlichkeit?) beim Belebt-Unbelebt-Experiment ganz unseren Erwartungen. Beim anderen Experiment leider ganz und gar nicht: Unsere CdE-Versuchspersonen ließen keinerlei Anzeichen von Trägheit erkennen ...
Woran das liegen könnte, wissen wir nicht, denn zu einer genaueren Analyse der Ergebnisse, inklusive ausführlicher statistischer Auswertung, blieb leider keine Zeit:
Statt dessen erzählte uns Kathi noch von aktuellen Forschungen und Erkenntnissen zur Sprachproduktion und außerdem mussten wir ja unser Flipchart für die Rotation aufrüsten. Zum Abschluss noch einmal herzlichen Dank an:
Damit ist es wohl höchste Zeit, diesen Beitrag zu beenden, denn:
Reden ist Schweigen. Silber ist Gold !
Melanie Stefan
Kursleiter: Thomas Diehn
Wie ist es denn nun mit B, der A just erschießt, bevor dieser in sein Flugzeug steigen kann - welches wenige Minuten später abstürzt und ohnehin alle Insassen begräbt? Oder mit T und M, die jeweils den miesen O vergiften - aber die Tinktur des T den O dahinrafft, bevor M's Malefizien ihre tödliche Wirkung entfalten? Und was erwartet die wackere Kate, nachdem sie "körperlich überlegen" den schmächtigen Leonardo von der rettenden Holzplanke in die Wogen stößt, so dass dieser "erfrierend ertrinkt"?
Recht brutal ging es zu, als wir uns zu Pfingsten - neun Laienrichter und drei Jurastudenten - unter der hervorragenden Anleitung von Thomas Diehn und Alexander Fritsche dem Düstersten widmeten, was das Leben so bietet, erleuchtet nur vom Licht des Rechts. Aber das strahlte mit stolzen Konzepten: notwendige Kausalität von Tathandlung und Taterfolg (dennoch ist die Geburt des Täters nicht im Strafrecht kausal für die böse Tat: Kriterium der objektiven Zurechnung des Taterfolgs), subtile Unterscheidungen von Vorsatz und Fahrlässigkeit ("billigend in Kauf nehmen" ist keine "bewusste Fahrlässigkeit" sondern bereits "bedingter Vorsatz" ...) und dann die große Trias des "vollendeten vorsätzlichen Begehungsdelikts": Tatbestand, Rechtswidrigkeit, Schuld. Diese drei galt es zu prüfen: steht die böse Tat als solche im Gesetz (Erfüllung des Tatbestands)? War die Handlung Notwehr, herrschte rechtfertigender Notstand oder hatte das Opfer eingewilligt (fehlende Rechtswidrigkeit)? Oder ist die Tat zumindest zu "entschuldigen": der Täter ein Kind, seelisch gestört oder aus Furcht und Schrecken in Notwehr zu weit gegangen?
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So schlugen wir uns herum mit ermordeten Erbtanten E, beim Kirschenklauen erschossenen Schulbuben S und heroischen Weichenstellern W (die beim nahenden Zugzusammenstoß die Weiche verstellen, hunderten Menschen das Leben retten - aber zwei Gleisarbeiter auf der Nebenstrecke billigend ins Jenseits befördern). Wie dogmatisch das Strafrecht sich bei alledem auch zeigte, im Ergebnis lief es unserer Empfindung selten zuwider. So auch im Fall des Celler Philosophiestudenten P, der sich beim Krimiklau im Kaufhaus in Rechtssicherheit wiegte, da er das Buch nach dem Lesen schließlich zurückbringen wollte. Wirklich ist laut Gesetzbuch nur die "Enteignung" strafbar (Ausnahmen für Auto- und Energiegebrauch sind ausdrücklich geregelt!). Kreativ das Urteil des Landgerichts: natürlich handele es sich um Diebstahl, schließlich habe der P den "Neuwert" des Buches "enteignet". Na also!
Moritz Helmstädter
Kursleiter: Markus Sturm
Die Menschen, die ihr Sonntagabend bei der Party apathisch auf den Bänken oder Matten vorgefunden habt, gehörten höchstwahrscheinlich zu diesem Kurs. Unter vollem Einsatz, mit einigen kleineren Blessuren - blaue Flecken, Muskelkater, heiß gelaufenen Füßen - total geschafft aber rundum zufrieden, haben wir dieses Wochenende verbracht.
Die Begrüßung und Verabschiedung, das An- und Abgrüßen, sind im Judo streng ritualisiert. Nach einer Konzentrationsphase (Mokuso) erfolgt die Verbeugung auf das Kommando Rei.
Das Aufwärmprogramm bestand zum Teil aus Fangenspielen, was Helen soviel Spaß gemacht hat, dass sie fast nicht mehr aufhören wollte. Das Ziel im Judo ist der Ippon. Erzielt ein Kämpfer einen Ippon, so ist der Kampf sofort zu Ende.
Am Samstag bestand unsere erste Aufgabe darin, unseren am Boden liegenden Partner so auf dem Rücken festzuhalten, dass er nicht mehr wegkam. Nach anfänglicher Kontaktscheu ging das Raufen ziemlich schnell los. Als es uns mehr schlecht als recht gelang den Partner festzuhalten, wir beschränkten uns meist darauf die Arme festzuhalten, zeigte uns Markus die vier Haltegriffe (Kesa-gatame, Kami-shiho-gatame, Yoko-shiho-gatame, Tate-shiho-gatame) im Judo. Zu unserer Überraschung zielen die nicht auf die Arme direkt ab, sondern auf zwei wichtige bewegliche Körperachsen: rechte Schulter - linke Schulter, rechter Hüftknochen - linker Hüftknochen. Einen Ippon erzielt man hier nach 25 Sekunden. Für die Demonstration von Griffen und Würfen stand Markus immer sein "Lieblingsopfer" Johannes zur Verfügung, der als einziger Teilnehmer auch außerhalb von CdE-Treffen Judo macht.
Bevor wir uns den Würfen zuwendeten, mussten wir erst ein paar elementare Falltechniken lernen. Markus zeigte uns nacheinander fünf verschiedene Würfe, die wir eifrig übten. Was wir uns alle nicht merken konnten, waren die komplizierten Namen. Bei der Rotation musste Markus sie immer noch für uns übersetzten und selbst dann herrschte noch, zumindest bei mir, Verwirrung. Welcher war das noch gleich? O-goshi (großer Hüftschwung), O-soto-gari (große Außensichel), De-ashi-barai (Fußnachfegen), Sasae-tsuri-komi-ashi (Fußstoppwurf). Den spektakulärsten Wurf - eigentlich waren für uns alle Würfe spektakulär - lernten wir noch in der letzten Kurseinheit, den Tomoe-nage (Kopfwurf); vielen vom Sehen her aus Filmen bekannt. Bei diesem Wurf gibt Tori, der Angreifende, sein sonst immer verteidigtes Gleichgewicht auf, indem er sich vor bzw. unter Uke, den Angegriffenen, fallen läßt und ihn über sich hebelt und zieht. Uke macht eine Flugrolle über Tori. Die Schwierigkeit liegt insbesondere darin, Uke nach oben zu ziehen, während man selbst eine Abwärtsbewegung macht.
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Neben den Haltegriffen und den Würfen gibt es noch Würge- und Hebelgriffe, mit denen Tori Uke zum Aufgeben zwingen kann. Wir haben Hadaka-jime (freies Würgen) und Kami-juji-gatame (oberer Leistenstreckhebel) kennengelernt. Die Würgegriffe bewirken die Unterbrechung der Blutzufuhr, was für Uke sehr unangenehm ist. Wenn ein Würger "sitzt", gibt der Partner dann auch ganz fix auf. Die Hebelgriffe zielen immer nur auf das Ellenbogengelenk. An anderen Gelenken sind Hebelgriffe verboten. Es fällt einem nicht sonderlich schwer, aufzugeben, wenn diese Griffe angesetzt werden ... Man fühlt sich doch sehr unwohl ...
In einem Video mit Wettkampfmitschnitten konnten wir die Techniken, die wir gelernt hatten, im Wettkampf angewendet sehen. Meistens ging es aber so schnell, dass wir selbst in der Zeitlupe nicht immer ganz mitbekommen haben, wie der Kampf beendet wurde.
Zum Abschluss einer Kurseinheit gab es immer drei dreiminütige Randori (Übungskämpfe). Dieses Raufen hat uns allen am meisten Spaß gemacht, auch wenn es nur sehr selten vorkam, dass wir tatsächlich einen der geübten Griffe ansetzen konnten.
Während des Kurses sind immer wieder Fragestellungen in Bezug auf Taktik (wie suche ich mir einen geeigneten Griff?) und Reglement (welchen Zweck verfolgen Regeln?) angesprochen worden. Die geschichtliche Entwicklung des Sports wurde auch dargestellt. Diskutiert wurde insbesondere die ursprüngliches Konzeption des Judo als Erziehungssystem durch Jigoro Kano mit dem technischen Prinzip ("maximale Effizienz", "optimaler Einsatz von Körper und Geist") auf der einen und dem moralischen Prinzip ("sich selbst vervollkommnen und dabei einen Beitrag leisten für das Wohlergehen in der Welt", "sich gegenseitig helfen") auf der anderen Seite.
Anja Gossel
Kursleiter: Tilmann Schneider-Poetsch
Ohne jegliche Vorkenntnisse stellten wir, elf mutige CdEler, uns der Aufgabe, in nur elf Stunden einige Russischkenntnisse zu erwerben, um dann vielleicht einmal in Moskau die Straßenschilder lesen zu können oder um einfach nur Spaß an einer neuen Sprache zu haben.
Unter Anleitung von Tilman begannen wir damit, uns durch das russische Alphabet in Schreibschrift mit seinen 33 ungewohnten kyrillischen Buchstaben zu kämpfen. Zu unserem Erstaunen lernten wir, dass es nicht nur Buchstaben gibt, die ausgesprochen werden, sondern auch einige, die die Aussprache des nachfolgenden Buchstabens verändern, selber aber nicht ausgesprochen werden. Als besonders tückisch und verwirrend empfanden wir es, dass einige Buchstaben wie lateinische Buchstaben aussehen, aber völlig anders ausgesprochen werden. Z.B. spricht man "b" wie v oder w und "g" wird wie d gesprochen. Nach den vielen Sprachübungen begannen wir nun mit dem Schreiben der Buchstaben und verschiedener Silben. Teilweise fühlten wir uns sogar wieder in die 1. Klasse zurückversetzt, weil wir uns mit jedem Bögelchen, Kringel und Häkchen der neuen Zeichen intensiv auseinandersetzten. Im russischen Alphabet gibt es auch kein "h", was das Schreiben unserer Namen erschwerte. Stattdessen mussten wir ein "g" verwenden oder auf einige andere Buchstaben ausweichen, je nachdem an welcher Stelle im Wort das "h" vorkam. Während der Rotation haben wir auch den anderen CdElern eine Freude damit machen können, ihre Namen ins Russische zu übersetzen.
Als nächstes wurden wir in das Alphabet der Druckbuchstaben eingeführt, das sich in vielen Buchstaben von der Schreibschrift unterscheidet. Deshalb machten wir Übersetzungsübungen von Druckschrift in Schreibschrift und lernten so auch unsere ersten russischen Wörter kennen. Viel Gelächter gab es, als wir immer wieder über Wörter stolperten, die ähnlich wie deutsche oder englische Wörter klangen und sogar dasselbe meinten, weil sie von den Russen in ihren Wortschatz übernommen worden sind. Z.B. wird der Sportler wie "sportsmjen" ausgesprochen und der Physiker wie "fisik". Mit Hilfe unserer ersten Wörter dachten wir uns nun kurze Dialoge aus und lasen sie vor, wobei Tilman uns geduldig in unserer Aussprache verbesserte. Außerdem brachte er uns die Zahlen auf russisch sowie einige russische Redewendungen bei. Während unserer Sprachübungen stellte sich auch beinahe ein richtiges Rußland-Kälte-Feeling ein, weil es in unserem Kursraum wegen der ausgefallenen Heizung und des ungemütlichen Regenwetters sehr kalt war. Unsere Mühen wurden von Tilman jedes Mal stilecht mit Russisch Brot belohnt.
Rückblickend lässt sich sagen, dass wir bereits einen großen Einblick in die russische Sprache gewinnen konnten und dabei viel Spaß hatten. Zwar hat die Zeit nicht für umfangreiche Ausflüge in die Grammatik gereicht, aber wir sind jetzt dazu in der Lage, kurze Gespräche zu führen, Fragen zu formulieren, einfache Texte vorzulesen und Russisch zu schreiben.
Dorothea Brüggemann
Kursleiter: Björn Oswald
In unserem Kurs haben wir uns zunächst einen Überblick über gängige Methoden verschafft, wie Sachverhalte mit Zahlen absichtlich oder versehentlich falsch dargestellt werden. Eingeschlossen waren dabei zahlreiche Praxisbeispiele und entsprechend lebhafte Diskussionen. Anschließend kam es zur praktischen Umsetzung des Wissens anhand einer Nutzungsstatistik der Domain Grundschule-Online, einer Internetseite. Eine Gruppe sollte zeigen, wie gut sich die Seite entwickelt hat und weiterentwickeln wird, während die andere das genaue Gegenteil beweisen sollte. Dabei stand beiden Gruppen die gleiche, reale Datenbasis zur Verfügung.
Die erste Gruppe wählte für die Statistik die Anzahl der Sitzungen, weil dort eine relativ kontinuierliche Aufwärtsentwicklung vorlag. Da bei der monatlichen Erhebung allerdings einige Einbrüche auftraten, die die stetige Aufwärtsentwicklung relativieren könnten, wurde erst einmal auf Quartale umgerechnet. Dabei trat immer noch ein Einbruch auf, der schließlich durch eine Zusammenfassung auf Halbjahre doch zum Verschwinden gebracht werden konnte.
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Damit standen allerdings nur vier Halbjahre vollständig zur Verfügung und der starke Anstieg im Januar/Februar kann besonders gut noch nach oben hochgerechnet werden (Prognose). Das suggeriert ein starkes exponentielles Wachstum. Verkürzt man dann die Zeitachse, so wirkt das Wachstum auf den Betrachter nochmals kräftiger. Einen letzten kleinen Kick für die Kurve erhielten wir schließlich, indem wir die Y-Achse, die die Anzahl der Sitzungen angibt, erst bei 2000 beginnen ließen. Damit scheint es als, ob die Seite aus dem Nichts aufgetaucht wäre und nun nicht mehr zu stoppen sei. Eigentlich kann man diese Seite doch nur weiter fördern, so die logische Konsequenz. Sicher - wäre da nicht die zweite Gruppe gewesen, die auch noch ein paar Kniffe gelernt hat.
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Da sich in keiner der vier Datenreihen ein längerer Abwärtstrend finden ließ, mussten entsprechend andere Größen gefunden werden. Dabei fiel der Gruppe auf, dass die Anzahl der Sitzungen stärker wuchs als die Anzahl der aufgerufenen Seiten. Das bedeutet aber auch eine tendenzielle Abnahme des Quotienten, nämlich der aufgerufenen Seiten pro Sitzung. Beginnt man die Darstellung gerade mit einem hohen Wert, so fällt der nachfolgende Abfall dieser Größe um so größer aus. Es zwingt einen schließlich niemand, mit Beginn der Datenbasis auch die eigene Graphik beginnen zu lassen. Der Trick mit dem Abschneiden der Y-Achse funktioniert auch hier; so endet bei diesem Beispiel die Kurve kurz über der Zeitachse. Das suggeriert bei den Betrachtern ein Erreichen der Nullmarke, auch wenn an der Y-Achse dort die 6 steht. Ein anschließendes Strecken der Y-Achse lässt den Abfall dann gleich noch stärker aussehen. Das i-Tüpfelchen ist dann die Überschrift "Die Nutzer sind enttäuscht" in Verbindung mit der signalroten Verbindungslinie vom ersten und letzten Wert. Wenn das kein Trend ist ... Eine reale Datenbasis hat somit als Grundlage für zwei völlig gegensätzliche Darstellungen gedient.
Man sollte also auch bei der schönsten Statistik nicht vergessen, sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen und ein gesundes Misstrauen zu bewahren. Einem großen Teil der in Zeitschriften, Zeitungen und Magazinen verwendeten Grafiken, Statistiken und Umfragen fehlen für die Interpretation notwendige Angaben, wodurch sie letztendlich völlig ohne Aussage sind. Unter etwas anderen Voraussetzungen könnte man dann sicherlich auch hier mit den identischen Daten das Gegenteil zeigen.
Theodor Alpermann, David Hahn, Björn Oswald, Judith Speicher
Kursleiter: Kathrin Fornet-Ponse, David Heilmann
Alle Jahre wieder, zu Pfingsten, müssen sich Millionen von Autofahrern fragen, warum für sie schon wieder der Weg zum Ziel geworden ist: Wenn sie nämlich in kilometerlangen Staus weit vom Urlaubsziel entfernt stehen und sich ärgern, dass wieder jemand da vorne nicht intelligent genug war, auf die rechte Spur zu wechseln. Staus auf Schnellstraßen werden bei "Stammtischgesprächen" meist darauf zurückgeführt, dass sich hinter einem "Trödler" die guten Autofahrer ansammeln, die nur durch die Unfähigkeit des einen daran gehindert werden, ihr Ziel in der gewünschten Zeit zu erreichen. Dass dieses Bild viel zu einfach ist, wurde unter anderem im Kurs über Verkehrsdynamik herausgearbeitet: Aus der Wechselwirkung vieler einzelner, sich vollkommen rational und regelkonform verhaltender Autofahrer entstehen bei bestimmten Randbedingungen spontan Staus, ganz ohne dass man irgend jemandem die "Schuld" dafür geben könnte. Stauentstehung als Selbstorganisationsphänomen war dann auch ein Schwerpunkt der Arbeit in unserem Kurs.
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Die erste Kurseinheit fand allerdings dann etwas außerplanmäßig und unfreiwillig schon am Freitagabend statt, als spontane Stauentstehung und Schnellstraßenverkehrsdynamik während der Fahrt nach Kirchheim live miterlebt werden konnten. Aber diese kleinen Schwierigkeiten bei der Anreise sollten uns nicht davon abhalten, uns am Samstag morgen voller Elan in die Arbeit zu stürzen. Um aber nichts zu überstürzen und langsam anzufangen, wendeten wir unsere Aufmerksamkeit zunächst Fußgängern und ihren Verhaltensweisen zu. Hier konnten wir mit mathematisch und physikalisch erstaunlich einfachen Annahmen und Modellen - der Mensch ist doch ein Lemming - schon sehr schöne Ergebnisse erzielen, die wir uns dann auch in Form schöner bunter sich bewegender Punkte mit Hilfe von Holgers Simulationsprogramm bewundern konnten. Vor allem die Evakuierung eines Raumes sowie sich kreuzende Fußgängergruppen mit und ohne Hindernissen konnten schön nachgestellt werden - Versuche am lebenden Objekt haben wir hier nur für die sich kreuzenden Fußgängergruppen bzw. Schlangenbildung bei der täglichen Essensaufnahme angestellt - die Paniksimulation wollten wir uns dann lieber sparen.
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Da die Theorie doch mehr Zeit in Anspruch genommen hatte als ursprünglich geplant, fehlte uns leider die Zeit für weitere ausgiebige Experimente, wenn man von einem fünfstündigen Menschenversuch am Samstagabend absieht, bei dem das Verdrängen langsamer Fußgänger durch schnelle an ca. 150 lebenden Objekten in Echtzeit demonstriert werden konnte (das so genannte Tanzflächenphänomen). Samstag nachmittag und Sonntag standen dann die Schnellstraßen auf dem Programm. Auch hier stand die Theorie im Vordergrund: von traditionellen Modellierungsansätzen über Mikrosimulationsmodelle bis hin zur Herleitung eines makroskopischen Modells für Schnellstraßenverkehr aus Ideen der Gaskinetik (hier lacht das Herz des Physikers) und zur Stabilitätsanalyse von Geschwindigkeitsgleichungen hatten wir mit zum Teil recht trockener und zäher Mathematik und langwierigen Herleitungen zu kämpfen, verloren aber nie den Mut. Dieser wurde dann auch bei diesem Themenkomplex mit einem schönen von Christoph gebastelten Simulationsprogramm belohnt, das den Schnellstraßenverkehr und Stauentwicklung für ein Ringstraßensystem live miterleben ließ. Durch ein ziemlich volles Programm (im nachhinein ist man immer klüger) waren wir nun ziemlich in Zeitnot gekommen, es sollte ja schließlich noch etwas für die Rotation vorbereitet werden! Diese Vorbereitung gestaltete sich dann noch recht hektisch: Teilweise musste noch nachprogrammiert werden, um die Eingabe bei unseren Programmen noch zu vereinfachen und besonders schöne Ergebnisse präsentieren zu können, aus all dem mathematischen und physikalischen Wust von Flipchartpapieren, den wir während des Kurses produziert hatten, mussten dann auch noch die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst werden, und und und ... Aber Ende gut, alles gut, alles wurde noch rechtzeitig fertig, und Spaß hat's auch gemacht!
Kursleiter: Marco Kuhlmann, Sebastian Padó
Hans liebt Maria - Wer liebt hier eigentlich wen? Der Hans die Maria oder den Hans die Maria? Während ein normaler Mensch spätestens aus dem Zusammenhang erkennt, was gemeint ist, steht der Computer mit seinen formalen Methoden vor zwei gleichwertigen Möglichkeiten der Interpretation. Dies ist nur eines von zahllosen Problemen vor denen Computerlinguisten stehen, wenn sie versuchen, Computern eine natürliche Sprache (also z.B. Englisch oder Deutsch und nicht irgendeine formale Sprache oder eine Programmiersprache) beizubringen.
Der Nutzen hieraus ist offensichtlich: Während heutzutage ein Benutzer die Anweisungen, die er seinem Computer erteilen will, zunächst in eine computertaugliche Form übertragen muss - sei es in Programmcode, in Menübefehle oder in anzuklickende Symbole etc. -, wäre es doch wünschenswert, dass nicht der Benutzer sich an den Computer anpasst, sondern der Computer an den Menschen, indem er dessen Sprache zu beherrschen lernt.
Sprache zu beherrschen ist allerdings derart komplex, dass es schon Fortschritt bedeutet, dem Computer Teile des Prozesses beizubringen, der sich abspielt, wenn Sprache wahrgenommen, verarbeitet und schließlich wieder ausgegeben wird. So gibt es bereits Systeme, die Text (mehr oder weniger gut) vorlesen, also ohne Berücksichtigung inhaltlicher Aspekte in Lautfolgen umwandeln können; andere, die, wiederum ohne wirklich zu verstehen, Lautfolgen in Text umwandeln (sog. Spracherkennung) oder als einzelne Anweisungen identifizieren (Sprachsteuerung); wiederum andere, die ausschließlich auf der Text-Ebene arbeiten, wie die Übersetzungsprogramme, die z.B. bei http://babelfisch.altavista.com oder http://google.com zu Einsatz kommen und nur sehr dürftige Ergebnisse liefern. Die Königsdisziplin der Computerlinguistik, den Prozess von der Wahrnehmung gesprochener Sprache, ihrer Umwandlung in Worte und Sätze, über die Analyse der Struktur von diesen bis zur Bedeutung des Gesprochenen bezüglich einer Sprache zu druchlaufen und anschließend bezüglich einer anderen Sprache den umgekehrten Weg zurückzugehen, also zu dolmetschen, wird wohl noch sehr lange auf eine Umsetzung in die Wirklichkeit warten müssen.
Daher haben die Kursleiter Marco Kuhlmann und Sebastian Padó uns Teilnehmer des Kurses 30 auch nicht gleich auf diesen harten Brocken angesetzt. Stattdessen boten sie uns zunächst einen interessanten und umfassenden Überblick über die erstaunlich vielseitige Computerlinguistik. Anschließend gab es eine kurze Einführung in die Programmiersprache SML, in der wir dann nicht den ganzen, sondern nur einen Teilprozess der computergestützten Sprachverarbeitung in vereinfachter Form programmieren sollten.
Die Aufgabe bestand darin, ein System zu schreiben, in dem der Computer anhand eines Lexikons eine bereits als Text vorliegende Eingabe daraufhin überprüft, ob er ihre Worte (z.B. als Worte einer bestimmten Sprache) akzeptiert oder verwirft. Das wurde von der einen Hälfte des Kurses mit Hilfe eines sogenannten endlichen Automaten realisiert, der manchen vielleicht auch aus der theoretischen Informatik bekannt ist. Die andere Hälfte arbeitete an einem sogenannten Parser, der die Eingabe entgegennimmt, sie in ihre Bestandteile, d.h. Worte zerlegt und an den Automaten zu Prüfung übergibt.
Leider reichte natürlich die kurze Zeit in Kirchheim, die ja auch für viele andere schöne Dinge genutzt werden wollte, weder aus, ein lauffähiges System von Parser und Automaten zu erstellen - wenn es auch einige kleine Erfolgserlebnisse gab -, noch auf spannende Details anderer Bereiche der Computerlinguistik einzugehen. Aber Marco und Sebastian haben sich nicht nur vor Ort bemüht, alle Fragen ausführlich zu beantworten, sondern haben schon für die Vorbereitung die Mühe gemacht, neben einem Skript, einem Crashkurs in SML samt Übungsaufgaben und einer Mailingliste für hilfesuchende Kursteilnehmer eine Homepage (http://www.picoli.de) zu erstellen, auf der noch weitere Informationen und Links zu finden sind.
Felix Berkemeier, Sabine Schamberg
Der Mitgliedsbetrag beträgt 5 DM (2,50 EUR ab 01.01.2002) pro Halbjahr. Ihr könnt jederzeit (am besten vor Ablauf eurer Mitgliedschaft) beliebige Vielfache dieses Beitrages auf das Konto von Hendrik Hoeth (Konto-Nr. 922 316 501 bei der Deutschen Bank 24 Wuppertal, BLZ 330 700 24) überweisen. Bitte gebt dabei euren Namen im Verwendungszweck an, damit die Überweisung richtig zugeordnet werden kann.
Wollt ihr euch für ein ganzes Jahr zurückmelden, überweist ihr 10 DM. Habt ihr gerade im Lotto gewonnen, könnt ihr 100 DM überweisen und seid damit für die nächsten 10 Jahre Mitglied im CdE! Besser kann man einen Lottogewinn meiner Meinung nach nicht anlegen!
In der Online-Datenbank könnt ihr überprüfen, bis wann ihr zurückgemeldet seid. Sofern ihr keinen Zugang zum Internet habt, hilft euch gerne Klaas Ole (Telefon und Adresse findet ihr auf Seite 2) weiter.
Sollte euer Guthaben erschöpft sein, werdet ihr automatisch aus der Adressdatenbank entfernt und erhaltet somit keinen exPuls mehr. Sofern ihr eine E-Mail-Adresse angegeben habt, wird an diese eine Erinnerungs-E-Mail geschickt.
Liebe 2001er! Wenn ihr den nächsten exPuls (Winter 2001) erhalten wollte, müsst ihr bis zum 01. Dezember 2001 euren Beitrag überweisen. (wk, ma)
Neben eurem Rückmeldestatus bietet die Online-Datenbank eine Fülle von weiteren Funktionen. Ihr könnt dort nach Adressen anderer CdEler suchen. Dabei ist es möglich sehr flexible Suchanfragen zu formulieren, z.B. alle Teilnehmer einer bestimmten Akademie, die in einem bestimmten PLZ-Bereich wohnen. Auch die Suche nach Studienfächern, etc. ist möglich.
Darüber hinaus bietet die Online-Datenbank ständig aktualisierte Statistiken und eine Liste der Ansprechpartner verschiedener Gruppen (z.B. Orga-Team, Online-Redaktion ...).
Eure Daten könnt ihr jederzeit über die Online-Datenbank aktualisieren und ergänzen. Alternativ sind Änderungen und Anfragen per E-Mail (verwaltung@schuelerakademie.de) oder telefonisch an Klaas Ole zu richten.
Des Weiteren steht für den vernetzten CdEler die Mailingliste dsa@lists.mayers.de für allgemeine Diskussionen zur Verfügung. Organisatorische Fragen und Diskussionen finden auf der Liste cde-aktiv@lists.mayers.de statt. Jeder CdEler, der Interesse hat, für den CdE aktiv zu werden oder am Geschehen im und um den CdE teilhaben will, ist eingeladen sich auf diese Liste zu setzen.
Informationen zum CdE, den Mailinglisten sowie die Online-Datenbank mit Anleitung findet man auf http://www.schuelerakademie.de. (wk)
Der Aufzug des Grand Hyatt Hotels in Manhattan hält auf jedem Stockwerk und nähert sich nur langsam der Etage B - Ballroomlevel. Seriös gekleidete junge Frauen und Männer stehen dicht gedrängt, sie haben Mappen, Laptoptaschen, Papiere und Akten bei sich.
In einer kleinen Gruppe deutet ein etwas untersetzter Schwarzer in hellem Anzug auf einen Absatz in einem Dokument: "Unser fundamentales Interesse an bedingungsloser Kreditvergabe sehe ich hier nur sehr unscharf. Sie darf nicht an länderspezifische Bewertung gebunden sein. Das sollte hier klarer ausgearbeitet werden." Dabei wendet er sich an einen Mann mit australischem Akzent und blonden Haaren. Skeptisch erwidert der: "Bei der Ländergruppenklassifizierung ist genau dies jedoch die zentrale Forderung ..." "Aber hier ist sie nicht in unserem Interesse", erklärt der Mann mit dem Papier und hält es dem anderen nochmals hin. "Ob das durchkommt?", wendet der andere ein. "Hier, bei dieser Konferenz haben wir endlich die Stimmung und die Mehrheit, die wir immer brauchten; ich bin sehr zuversichtlich." antwortet er mit etwas leiserer, aber sehr eindrücklicher Stimme.
"Haben Sie den Resolutionsentwurf über die Rechte an geistigem Eigentum schon fertig", fragt eine Dame in einem blauen Hosenanzug. "Nein, tut mir leid, aber mein Kollege ist gerade so mit den Grundzügen des Papiers über ausländische Direktinvestitionen beschäftigt, dass ich es noch nicht mit ihm durchsprechen konnte," entschuldigt sich ein hochgewachsener Mann mit Brille, "Sie wissen doch, dass es sich hier um unsere zentralen Anliegen handelt. Sorgfalt ist also erforderlich". "Sehr wohl, das ist mir bewusst, ich sehe nur mit Skepsis, wie die Zeit vergeht und wir uns mit Details ..."
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Der Aufzug stoppt ein weiteres Mal: "Ballroomlevel" ertönt eine Stimme aus dem Lautsprecher und die Türen schieben sich auf. Alle treten heraus, die Unterhaltungen gehen in der Halle weiter, manche verabschieden sich, ehe sie unterschiedliche Richtungen einschlagen. Von links und rechts strömen Menschen, kleine Gruppen stehen zur Unterhaltung zusammen, an vielen Stellen wird an Computern gearbeitet und einige schauen noch einmal kurz die wichtigsten Dokumente durch. Langsam verteilen sich alle auf die drei Konferenzräume und es wird ruhiger. Einige wenige kommen noch aus den Aufzügen und schlüpfen durch die halboffenen Türen. Einzelne bleiben zurück, tief in Papiere vertieft oder auf den Bildschirm konzentriert: Es ist formale Verhandlungszeit auf der "National Model United Nations Conference" in New York.
Genauso hatten wir uns das vorgestellt. Um diese Atmosphäre zu erleben, haben wir uns monatelang vorbereitet, sind durch ganz Deutschland gereist, haben Sponsoren von unserem Vorhaben überzeugt und sind im April 2001 endlich nach New York geflogen. Auf die Idee, an der berühmten amerikanischen UN-Simulation teilzunehmen, ist Klaus Brösamle vor ca. einem Jahr gekommen. Was am Anfang mehr wie ein Wunschtraum wirkte, nahm nach und nach klare Formen an; Tobias Bittkau, Claus Becker, Carla Cederbaum, Mathias Roth und Stefan Schneider aus dem CdE meldeten sich und einige Kommilitonen auf einen Aufruf in der DSA-Mailingliste zur Teilnahme, die Bewerbung wurde eingereicht und bald kam aus New York die Zusage, wir sollen das Land Simbabwe bei der Konferenz vertreten.
Nun konnten wir damit beginnen, uns intensiv mit Simbabwes Außenpolitik zu beschäftigen, herauszufinden, in welchen Organisationen Simbabwe Mitglied ist (z.B. Organisation of African Unity [OAU], South-South-Corporation), welche UN-Resolutionen von Simbabwe ratifiziert, welche nur unterschrieben wurden, welche Rolle Simbabwe auf dem afrikanischen Kontinent einnimmt etc. Manches davon erfuhren wir aus gängigen Wirtschaftszeitungen, teilweise konnten wir nützliche aktuelle Informationen im Internet finden, zum Teil mussten wir uns jedoch auch mit älteren Einschätzungen und Zahlen begnügen. Wie steht die simbabwische Regierung zum Thema Rassismus? Von welchen Staaten erhält Simbabwe Entwicklungshilfe? Auch aktuelle Problemen wurden beleuchtet und hinterfragt: Wie begründet Simbabwe sein Engagement im Kongo-Konflikt? Wie rechtfertigt Präsident Robert Mugabe die eingeschränkte Presse"freiheit" in seinem Land? Fragen über Fragen, an deren Beantwortung wir teils monatelang gefeilt haben.
Doch die Vorbereitungen beschränkten sich nicht auf die inhaltliche Arbeit, auch die Frage der Finanzierung musste geklärt werden, schließlich sollten wir für mindestens zehn Tage im New Yorker Hotel Grand Hyatt wohnen, wo die Konferenz stattfand. Und ein Flug über den Atlantik ist auch kein Pappenstiel. Sponsoren mussten her. Dieser finanzielle Druck kam uns reichlich ungelegen, vor allem, da wir wenig Erfahrung hatten, an welche Firmen oder Organisationen man sich in solchen Fällen wendet.
Um uns besser kennen zu lernen, haben wir uns im Vorfeld zweimal übers Wochenende getroffen, und etwa fünf Wochen nach dem zweiten Treffen war es dann soweit: wir flogen als eine von 15 anderen deutschen Gruppen nach New York, um Simbabwes Regierung in den anstehenden UNO-Verhandlungen zu vertreten. Die Arbeit gliederte sich in verschiedene Komitees für die jeweils drei Themengebiete zu Diskussion vorgesehen waren. Meist wurde nur jeweils ein Thema bearbeitet, dennoch sind in den fünf Verhandlungstagen sehr interessante Verträge ausgehandelt, Berichte verfasst und Resolutionen entworfen worden. Am letzten Tag wurde über all diese Papiere in der großen Generalversammlung im Sitzungssaal der Vereinten Nationen abgestimmt und die Konferenz damit zu ihrem Höhepunkt geführt. Es ist schon spannend hinter dem Rednerpult zu stehen, das Kofi Annan seinen Arbeitsplatz nennt, oder sich auf den Sitzen hochrangiger Diplomaten zu beraten.
Wir beherrschen jetzt also die hohe Kunst der internationalen Diplomatie?!? Oder so ähnlich ... Und freuen uns darüber, dass unsere Resolutionen auch einen Einfluss auf die "wirkliche" Politik haben werden. Zum Beispiel fahren die Komitteeleiter der Antirassismus-Konferenz im August nach Durban in Südafrika und präsentieren dort auf der echten Konferenz unsere Ergebnisse. Vielleicht liest du eines Tages in der Zeitung über ihre nahezu unglaublichen Erfolge. Dann wärest du sicher auch gerne einmal dabei gewesen. Nur zu ...
Wie sich auf der PfingstAkademie 2001 in Kirchheim angedeutet hat, wird eine Gruppe des JGW e.V. an der Konferenz 2002 in New York teilnehmen. Wenn du Interesse hast, melde dich bei Klaus Brösamle
Klaus Brösamle und Carla Cederbaum
Erstmals in der Geschichte des CdE fand im April 2001 ein Lokaltreffen auf einem anderen Kontinent statt. Stolze sieben Ehemalige waren nach New York City angereist, um an der National Model United Nations (NMUN) Konferenz teilzunehmen. Fünf von ihnen waren Delegierte von JGW-Germany, einer Gruppe, die im Rahmen eines Pilotprojektes des CdE-nahen Vereins Jugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft e.V. an der Simulation teilnahmen. Sie vertraten Simbabwe, was aufgrund der aktuellen dortigen politischen Situation keine leichte aber interessante Aufgabe war.
Die beiden anderen CdEler nahmen in Gruppen ihrer Universitäten (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Ludwig-Maximilians-Universität München) an den weltweit bekanntesten UN-Modellverhandlungen teil und vertraten die "Association of Women in Development" und Spanien.
Nachdem sich die sieben CdEler zusammen mit über 2500 Studenten aus aller Welt in verschiedenen UN-Komitees fünf Tage lang unermüdlich durch herausfordernde Verhandlungen gekämpft haben, wurde vor der Abreise kurzfristig ein CdE-Treffen in der Lobby des Konferenz-Hotels einberufen. Zur Gründung einer ständigen Lokalgruppe New York kam es jedoch dieses Jahr (noch) nicht.
Weitere Informationen findet Ihr auf den Webseiten:
http://www.jgw-ev.de/projekte/nmun/
http://www.nmun-freiburg.de
http://www.lrz-muenchen.de/~nmun/
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Auf dem Foto von links nach rechts: Michael Blauberger, Sabine Müller-Mall, Mathias Roth, Carla Cederbaum, Claus Becker, Klaus Brösamle, Stefan Schneider.
Klaus Brösamle
Berlin, 1. Dezember 1984, 3.15 Uhr - Der 20jährige DDR-Bürger S. hat die vorgelagerten Grenzsicherungsanlagen überwunden und rennt nun auf die Grenzmauer zu, die das letzte Hindernis auf der Flucht nach Westberlin darstellt. S. reagiert nicht auf die Warnrufe und Warnschüsse der Grenzsoldaten W. und H., die ihn auffordern, stehen zu bleiben. Stattdessen versucht er, mit einer Leiter die Mauer zu überwinden. Als er die Sprossen emporsteigt, schießen W. und H. aus 150 m bzw. 110 m Entfernung insgesamt 52 Patronen aus ihren Maschinenpistolen auf den unbewaffneten S., um so letzten Mittels die "Republikflucht" zu verhindern. Als S. bereits eine Hand auf die Mauerkrone gelegt hat, trifft ihn eine Kugel in den Rücken. Er verstirbt wenige Stunden später.
Die bundesdeutsche Strafjustiz sollte 1992 und in den folgenden Jahren nicht nur das Verhalten von Grenzsoldaten wie W. und H. strafrechtlich würdigen. Sie sollte, so die Erwartungen, als Instrumentarium zur Aufarbeitung deutscher Geschichte das scheinbar offensichtliche Unrecht feststellen und seine moralische Missbilligung durch Schuldsprüche gleichsam institutionalisieren. Aber konnte sie in den Grenzen der rechtstaatlichen Garantien diesen Erwartungen politisch effektiv gerecht werden? Der Beitrag möchte anhand der Begründung der Aburteilung der sog. Mauerschützen das beschriebene Spannungsfeld zwischen dem, den Tätern durch das Grundgesetz garantierten, Gesetzmäßigkeitsprinzip (dem Recht) und der allgemeinen moralischen Missbilligung der Schüsse an der innerdeutschen Grenze (der Gerechtigkeit) verdeutlichen. Damit soll die Leistungsfähigkeit der rechtlichen Dogmatik nicht nur zur rechtlichen, sondern auch zur gesellschaftlichen Vergangenheitsbewältigung hervorgehoben werden.
1. "nullum crimen sine lege praevia"
Das strafrechtliche Rückwirkungsverbot (Art. 103 Abs. 2 GG) ist Teil des rechtsstaatlichen Gesetzmäßigkeitsprinzips und gebietet, dass die Strafbarkeit einer Handlung zum Zeitpunkt ihrer Begehung gesetzlich bestimmt sein muss. Für den Täter müssen die Konsequenzen seiner Verhaltensweisen voraussehbar sein, so dass er freiverantwortlich im Rahmen der Gesetze handeln kann. Die nachträgliche Neubewertung einer Tat soll verhindert werden. So ist es dem Strafgesetzgeber verboten, rückwirkende Strafgesetze zu erlassen und dem Strafrichter verwehrt, Normen rückwirkend anzuwenden. Das Rückwirkungsverbot ist Ausfluss der Menschenwürde und des allgemeinen Willkürverbots, gilt absolut und ist damit eigentlich jeder Abwägung entzogen.
2. Behandlung von in der DDR begangenen Straftaten
Im Einigungsvertrag wurden Vereinbarungen darüber getroffen, wie Straftaten, die vor dem Beitritt der Neuen Bundesländer zur BRD begangen wurden, zu behandeln sind. Die strafrechtliche Würdigung durch die Gerichte erfolgt in einer zweistufigen Prüfung. Zuerst wird die Strafbarkeit der Tat nach dem in der DDR geltenden Recht festgestellt. Nur im positiven Falle wird weiter geprüft, ob auch nach bundesdeutschem Recht Strafbarkeit besteht, und der Delinquent nach dem im Einzelfall milderen Recht bestraft. Im Ergebnis kommt es bei diesem sog. Zwei-Schlüssel-Ansatz nur dann zu einer Bestrafung, wenn die Tat sowohl in der DDR als auch in der BRD strafbar war bzw. ist, was nichts anderes als eine spezielle Ausformung des Rückwirkungsverbots ist.
3. Bestrafung der Mauerschützen - Verstoß gegen das Rückwirkungsverbot?
Die Gerichte hatten also zunächst festzustellen, ob sich Grenzsoldaten wie W. und H. nicht schon in der DDR strafbar gemacht haben. Dazu musste das Recht der DDR rekonstruiert und nach den damals herrschenden Grundsätzen behandelt werden. Ergebnis dieser "immanenten Betrachtung" war die Straflosigkeit der Mauerschützen nach DDR-Recht. Die Anwendung der Schusswaffe entsprechend den Bestimmungen und der herrschenden Interpretation (der sog. Staatspraxis) des Grenzgesetzes der DDR, als letztes Mittel die Flucht durch vorsätzliche Tötung zu verhindern, war gerechtfertigt. Folglich hätte es zu Freisprüchen kommen müssen.
Indessen wäre der Widerspruch zur Gerechtigkeit, auch wenn wir nicht so genau wissen, was das eigentlich ist, für das "strafrechtlich-moralische Empfinden" signifikant. Dass das Strafrecht nicht gemacht ist, Gerechtigkeit um jeden Preis herzustellen, sondern immer den einzelnen Täter und dessen Schuld zu betrachten hat, wäre im medialen Getöse gegen Freisprüche untergegangen.
Natürlich nicht auf solche Überlegungen gestützt, griff der Bundesgerichtshof (BGH) zweimal in die strafrechtsdogmatische Trickkiste, um dieses Ergebnis zu korrigieren. Einmal glückte der Griff leidlich und einmal war es ein Missgriff. Die Begründung dennoch zu bestrafen, fußt also auf zwei Säulen, nicht aus Beton, aber immerhin aus Sandstein.
a. "Menschenrechtsfreundliche Auslegung" des DDR Rechts?
Die zweite Begründungslinie sei vorangestellt. Zwar sei das DDR-Recht wie festgestellt behandelt worden, aber es hätte auch die Möglichkeit einer "menschenrechtsfreundlichen Auslegung" gegeben. Nach dieser Interpretation der DDR-Verfassung und des Grenzgesetzes hätte nicht auf unbewaffnete, niemanden gefährdende Flüchtlinge geschossen werden dürfen, d.h. die Tötungen waren schon zur damaligen Zeit strafbar. Dass sie nicht bestraft wurden, ändere daran nichts. Die Erwartung der Fortdauer einer bestimmten menschenrechtsverachtenden Staatspraxis sei nicht schützenswert.
Die moralische Plausibilität dieser Argumentation kann nicht bestritten werden. Indessen misst der BGH das Recht der DDR auf Umwegen doch an rechtsstaatlichen Grundsätzen. Ausgangspunkt ist der Vorrang von Individualrechtsgütern vor Gemeinschaftsgütern im Konfliktfall, während gerade der Vorrang letzterer in der DDR geltendes Recht war. Es wird also ein Rechtssystem nicht interpretiert, sondern im Nachhinein verändert. Und gerade das soll das Rückwirkungsverbot verhindern. Auf diesem Wege ist also eine Umgehung des Rückwirkungsverbots in einem Rechtsstaat nicht möglich.
b. Die Radbruchsche Formel
Wesentlich stützt sich die Begründung der Bestrafung der Mauerschützen aber auf die sog. Radbruchsche Unerträglichkeitsformel: "Der Konflikt zwischen Gerechtigkeit und Rechtssicherheit dürfte dahin zu lösen sein, dass das [geschriebene] Recht auch dann den Vorrang hat, wenn es inhaltlich ungerecht [...] ist, es sei denn, dass der Widerspruch [...] zur Gerechtigkeit ein so unerträgliches Maß erreicht, dass das Gesetz als unrichtiges Recht' der Gerechtigkeit zu weichen hat." (Gustav Radbruch in SJZ 1946, 105, 107; [Änderungen d. V.]). Entwickelt wurde dieser Maßstab, um das NS-Unrecht zu fassen, und seine Anwendung ist auf historisch einmalige Fälle beschränkt. BGH und Bundesverfassungsgericht gelangen zu dem Ergebnis, dass die Erlaubnis der vorsätzlichen Tötung eines wehrlosen, ungefährlichen Menschen, der lediglich ein Land verlassen will, einen unerträglichen Verstoß gegen elementare Gebote der Gerechtigkeit und völkerrechtlich geschützte Menschenrechte bedeutet. Den Angeklagten blieb die Berufung auf diese Erlaubnis verwehrt. Ihnen hätte sich die Unwirksamkeit eines solchen Erlaubnissatzes wegen der Unvereinbarkeit mit höherrangigen Normen, z.B. den allen Völkern gemeinsamen Grundgedanken der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, erschließen müssen. Dies sei geradezu offensichtlich.
Das "absolut" geltende Rückwirkungsverbot wird also durchbrochen. Und aus der Makroperspektive kann dies als "gerecht" bewertet werden. Nur werden dadurch die Täter eines ihrer grundrechtsgleichen Rechte beraubt, die ihnen zuzugestehen, man übrigens auf seine Humanität stolz sein kann. Für sie ist die nachträgliche Umwertung der zum Tatzeitpunkt durch die geltende Staats- und Auslegungspraxis verbürgten Straffreiheit zu strafbarem Unrecht gerade nicht voraussehbar gewesen. Und im Grunde wird nichts anderes getan, als ein Allgemeingut höher zu bewerten als ein individuelles Recht.
Dennoch bleibt die Argumentation der Gerichte als eine Möglichkeit, den Konflikt zwischen Rechtssicherheit und Gerechtigkeit zu lösen, vertretbar und mit dem Grundgesetz wohl vereinbar.
4. Strafrechtliche Aufarbeitung zwischen Siegerjustiz und Interessenausgleich
Kann in diesem Zusammenhang von "Siegerjustiz" gesprochen werden? Die Frage ist zu verneinen. Den Gerichten ist es gelungen, einen gesellschaftlichen Interessenausgleich herzustellen, obwohl dies eigentlich nicht ihre Aufgabe ist. Man genügte dem aus dem Einigungsvertrag sprechenden Strafverfolgungswillen der ehemaligen DDR-Bevölkerung. Das Unrecht wurde benannt und dokumentiert und eindeutig Tätern und Opfern zugeordnet; die moralische Missbilligung, wenn auch mit z.T. fragwürdig weltfremder Begründung, durch die Schuldsprüche in eine rechtliche gegoss
sen und den Opfern so gesellschaftlich institutionalisierter Beistand gewährt. Den Grenzsoldaten wurden, in den oben geschilderten "Normalfällen", wegen ihrer Jugend und ideologischen Indoktrination milde Bewährungsstrafen auferlegt.
Die Wirkung der strafrechtlichen Aufarbeitung gleicht der der Arbeit einer Wahrheitskommission, die Täter- und Opferbelange zum Ausgleich bringen soll. Sie legt so den Grundstein für einen in die Zukunft deutenden gesellschaftlich akzeptierten Rechtsfrieden.
Literatur zum Weiterlesen:
Marxen, Klaus/Werle, Gerhard: Die strafrechtliche Aufarbeitung von DDR-Unrecht, Eine Bilanz. de Gruyter, Berlin, New York, 1999. (gibt schnell einen Überblick)
Rosenau, Henning: Tödliche Schüsse im staatlichen Auftrag. Diss. Göttingen, 2. Auflage, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 1998. (mit tiefgründigerer Auseinandersetzung über die strafrechtliche Aufarbeitung)
Rummler, Toralf: Die Gewalttaten an der deutsch-deutschen Grenze vor Gericht. Diss. Berlin, Berlin-Verlag Spitz, Berlin 2000. (mit statistischer Auswertung der Strafverfahren und hervorragender zeitgeschichtlicher Darstellung, kann man z.T. als Roman lesen, sehr empfehlenswert!)
Alexander Fritzsche
Jugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft e.V. (kurz JGW e.V.) unterstützt seit 1998 den CdE insbesondere bei der PfingstAkademie und dem exPuls finanziell und organisatorisch. Der JGW e.V. ist ein von CdElern gegründeter Verein, der besonders interessierten jungen Menschen im letzten Schul- und den ersten Studienjahren auch außerhalb des CdE die Chance zur Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen geben will.
Um die Zusammenarbeit zwischen JGW e.V. und dem CdE zu verbessern, wurde in Kirchheim ein "Regionalbeirat des CdE" ins Leben gerufen. Dieser soll dem CdE als Sprachrohr dienen, um seinen eigenständigen Charakter gegenüber JGW e.V. zu wahren, JGW e.V. ein Stimmungsbild im CdE zu vermitteln und als satzungsmäßiges Gremium Einfluss auf die Arbeit von JGW e.V. zu nehmen. Dazu wird der Regionalbeirat JGW e.V. und den CdElern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Im Regionalbeirat sind alle in CdE-Projekten Aktiven, die CdElokal-Ansprechpartner und weitere interessierte CdEler vertreten. Solltest du also ein Anliegen bezüglich JGW e.V. haben, Kritik äußern wollen, oder wenn du mehr über den Regionalbeirat wissen willst, dann wende dich am besten an einen der "Aktiven" oder an den Ansprechpartner deiner CdElokal-Gruppe - oder lies aktuelle Informationen im Internet unter http://www.schuelerakademie.de/cde/aktiv/ index.html
Um die Konstituierung des Regionalbeirats, die voraussichtlich Anfang September erfolgen wird, kümmern sich folgende CdEler:
Pascal Kreuder, Johannes Oberreuter, Bence Bauer, Dominik Brodowski
Dominik Brodowski
Nun gibt's ihn auch - den CdElokal Stuttgart. Entstanden, könnte man sagen, ist er aus der Not, denn als ich im Oktober vergangenen Jahres aufgrund meines Studiums nach Stuttgart gezogen bin und meinen alten Freundeskreis daheim in Freudenberg und Umgebung gelassen hatte, hatte ich herzlich wenig Lust trübselig in meiner Bude zu hocken. Deshalb habe ich mir die Adressen anderer CdEler besorgt und diese angeschrieben. Warum die Chancen, die sich durch den CdE bieten nicht nutzen?
Auf meine Initiative meldeten sich rund 16 Leute (von ca. 36), die sich interessiert zeigten. Somit organisierte ich ein erstes Treffen, welches schon im Dezember stattfand. Von allen Interessierten kamen immerhin sechs (einschließlich mir). Die Frauenquote war zwar mehr als schlecht (5:1), hat sich im Laufe der Zeit jedoch verbessert. Gemeinsam beschlossen wir die Gründung einer Lokalgruppe und schmiedeten Pläne. Da ich den Anfang gemacht hatte, wurde einstimmig festgehalten, dass ich auch weiterhin Koordinator innerhalb der Gruppe und Ansprechpartner für alle Anfragen von Interessierten sein soll. Terminlich einigten wir uns auf den ersten Donnerstag im geraden Monat, um dort zu plauschen, zu diskutieren und Veranstaltungsvorschläge für die dazwischen liegenden zwei Monate zu machen.
Anders als bei den regelmäßigen Treffen kommen die Zwischentermine nur recht zögerlich in Gang, aber sie laufen. Geplant wurden/werden Besuche kultureller Einrichtungen, beispielsweise Theater, Klassische Konzerte, Staatsgalerie, des weiteren Pop-Konzerte, Kinogänge, Vorträge (fremde und eigene) und gesellige "Hauspartys" in deren Rahmen Literaturabende, musikalische Einlagen, kochen und spielen vorgesehen ist. Auch eine LKW-Tour, bei der ich fahren sollte, stand einmal zur Debatte, doch mangels LKW und Sitzplätzen wurde daraus nichts. Schade.
Wer nun Lust hat, sich einzuklinken, ist herzlich eingeladen. Wir freuen uns über jeden Zuwachs und sei er auch noch so klein.
Michaela Wied
Informationen zu den Lokalgruppen gibt es unter http://cdelokal.schuelerakademie.de und in der gedruckten Ausgabe.
Julia Beyerle, Natascha Einhart, Amelie Stein